Ernährungsexperte sagt: Lassen Sie sich die Scheibe Wurst nicht vom Brot nehmen
„Schon eine Scheibe Wurst kann krank machen“ – so wurde die neue Studie aus Nature Medicine in vielen Medien zugespitzt betitelt. Tatsächlich zeigt sie etwas deutlich Unspektakuläreres: statistische Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmitteln und einigen Erkrankungen – mit kleinen relativen Risiken und ganz schwacher Evidenz. Also alles wie immer.
Uwe Knop ist evidenzbasierter Ernährungswissenschaftler, der fundierte Orientierung für selbstbestimmte Ernährungsentscheidungen bietet. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle .
Untersucht wurden verarbeitetes Fleisch, zuckergesüßte Getränke und Transfettsäuren. Die Forscher führten keine neue Ernährungsstudie durch, sondern werteten bereits vorhandene Beobachtungsstudien mit der sogenannten „Burden of Proof“-Methode neu aus. Dabei ging es um mögliche Zusammenhänge mit Typ-2-Diabetes, ischämischen Herzerkrankungen und Darmkrebs.
Das klingt in Prozent zunächst eindrucksvoller, als es ist. Ein relatives Risiko von plus 7 oder 11 Prozent bedeutet nicht, dass sieben oder elf von 100 Menschen zusätzlich krank werden. Entscheidend wäre das absolute Ausgangsrisiko – und das wird in Schlagzeilen fast nie mitgeliefert.
Noch wichtiger: Beobachtungsstudien können keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen. Menschen mit unterschiedlichem Wurst- oder Softdrinkkonsum unterscheiden sich oft auch in vielen anderen Punkten:
Solche Störfaktoren lassen sich statistisch nur begrenzt herausrechnen. Hinzu kommen ungenaue Ernährungsangaben, Erinnerungsfehler und unterschiedliche Erfassungsmethoden.
Besonders aufschlussreich ist deshalb die Bewertung der Autoren selbst. Alle untersuchten Zusammenhänge erhielten auf der „Burden of Proof“-Skala nur zwei von fünf Sternen. Das steht für schwache Evidenz beziehungsweise inkonsistente Daten.
Von einem belastbaren Nachweis, dass eine bestimmte Menge Wurst eine bestimmte Krankheit verursacht, kann also keine Rede sein. Genau hier liegt das eigentliche Problem: Der Erkenntnisgewinn solcher Analysen für den Einzelnen ist gering, der mediale Verunsicherungseffekt dagegen groß. Aus „statistisch assoziiert“ wird schnell „macht krank“. Und aus einer kleinen Risikoverschiebung wird eine vermeintliche Gesundheitsgefahr.
"Endlich richtig essen: Mit gutem Gewissen ehrlich genießen - Vertraue auf Deine Ethik & Intuition" von Uwe Knop.
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