Weidel-Statistik im BILD-Check - „306.000 arbeitslose Flüchtlinge eingebürgert“ – stimmt das?
Wien – Mit einer Zahl sorgte AfD-Chefin Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview für Aufsehen. Sie sprach von rund 306.000 eingebürgerten arbeitslosen Flüchtlingen. Doch woher kommt die Zahl? Und was lässt sich daraus tatsächlich ableiten? BILD hat nachgerechnet.
Weidel nannte im Interview die Zahl von rund 306.000 eingebürgerten Arbeitslosen. Da unmittelbar zuvor über Syrer gesprochen worden war, entstand der Eindruck, die Zahl beziehe sich auf syrische Flüchtlinge. Die AfD weist das auf BILD-Anfrage zurück: Es gehe um arbeitslose Flüchtlinge insgesamt, nicht nur um Syrer.
Die Quelle der Zahl ist tatsächlich eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit . Sie wurde im Auftrag des AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer (47) erstellt, der in der AfD-Fraktion für das Thema Arbeit und Soziales zuständig ist. Über die Auswertung berichtete seinerzeit zuerst das Portal Nius.
Die BA wertete demnach die Daten für Dezember 2025 aus. Ergebnis: 307.601 arbeitslose deutsche Staatsbürger hatten eigene Migrationserfahrung – waren also selbst nach Deutschland eingewandert und später eingebürgert worden. Das entspricht etwa jedem neunten Arbeitslosen insgesamt beziehungsweise rund jedem sechsten arbeitslosen Deutschen. Insgesamt hatten nach der Auswertung rund 53 Prozent der Arbeitslosen einen Migrationshintergrund.
Die Größenordnung von 307.601 liegt damit tatsächlich praktisch bei Weidels genannten 306.000.
Hier wird es statistisch entscheidend. Die BA-Auswertung weist nicht 307.601 arbeitslose Flüchtlinge aus. Sie erfasst deutsche Staatsbürger mit eigener Migrationserfahrung – unabhängig davon, ob sie als Flüchtlinge , Arbeitsmigranten, Spätaussiedler oder aus einem anderen Grund nach Deutschland kamen. Darunter können Menschen aus Syrien , aber ebenso aus der Türkei, Polen, Rumänien, Russland und zahlreichen anderen Ländern sein.
Eine Aufschlüsselung der 307.601 Personen nach Herkunftsland oder Fluchtgrund ist in der veröffentlichten Auswertung nicht enthalten. Auch eine amtliche Statistik, die Einbürgerungs- und Arbeitslosenstatus miteinander verknüpft und beispielsweise ausweist, wie viele eingebürgerte Syrer arbeitslos sind, liegt nicht vor.
Die Bundesagentur erfasst Arbeitslose unter anderem nach Staatsangehörigkeit. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Einbürgerungszahlen. Beide Statistiken beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Wer eingebürgert wurde, besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit und wird in den BA-Daten grundsätzlich nicht mehr als beispielsweise syrischer Staatsangehöriger geführt.
Die Größenordnung stimmt: Rund 307.600 arbeitslose Deutsche mit eigener Migrationserfahrung weist die BA-Sonderauswertung aus. Die Zahl lässt sich damit auf die von der AfD genannte Quelle zurückführen. Nicht belegen lässt sich dagegen, dass diese 306.000 Menschen allesamt Flüchtlinge sind – und erst recht nicht, dass es sich um Syrer handelt.
Die AfD erklärt auf BILD-Anfrage, Weidel habe sich genau auf diese Sonderauswertung bezogen. Damit ist die Herkunft der Zahl geklärt.
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