Neue Arbeitswelten: Was das Büro von morgen braucht
Morgens um 9 Uhr geht es ins Büro. In dem modernen Hochhaus holt sich der Angestellte beim Barista einen perfekten Cappuccino und begrüßt die Kollegen in der Lounge. Wer möchte, absolviert noch eine kurze Einheit im Fitnessraum oder meldet sich schnell für ein paar E-Mails an seinem Arbeitsplatz an, bevor das Brainstorming im Konferenzraum beginnt. An Hochtischen wird diskutiert, und bei gutem Wetter verlagert sich der Austausch auf die Dachterrasse. So oder so ähnlich geht es in einer zunehmenden Anzahl von Unternehmen zu, gerade im Dienstleistungssektor. Das moderne Büro lebt.
Doch zwischen Netzwerkräumen und Begegnungsflächen sitzt nun jemand mit einer dringenden Aufgabe: ein Strategiepapier strukturieren, eine Marktanalyse auswerten oder eine Präsentation fertigstellen. Allerdings diskutiert im offenen Bereich die Marketingabteilung die nächste Kampagne, im Nachbarraum läuft ein Workshop, und die Telefonboxen sind schon belegt. Gespräche, Gewusel und permanente Reize machen ausgerechnet das schwer, wofür Büros ursprünglich einmal konzipiert wurden: konzentriertes Arbeiten.
Früher waren Büros vor allem funktional. Sie boten Reihen von Schreibtischen mit Neonlicht, Faxgeräte und Besprechungsräumen. In den 2010er-Jahren entstanden mit dem Arbeiten ohne festen Schreibtisch (Activity Based Working), offenen Flächenkonzepten und flexibleren Arbeitsmodellen erste Antworten auf Fachkräftemangel, andere Teamstrukturen und höhere Erwartungen an den Arbeitsplatz. Das Büro sollte attraktiver und dynamischer werden.
Dann kam die Corona-Pandemie. Und mit dem Homeoffice , für viele Unternehmen eine Notlösung, wurde klar, dass es für viele Aufgaben kein Büro braucht. Wer ungestört analysieren, schreiben oder konzipieren wollte, konnte dies oft zu Hause sogar besser.
Nach der Pandemie drohte die Identität der Unternehmen dadurch im Homeoffice zu verschwinden. Welchen Grund gibt es noch, morgens den Weg ins Büro anzutreten? Das Homeoffice kann den persönlichen Austausch nicht ersetzen. Unternehmen begannen, diesen Aspekt in den Mittelpunkt zu rücken. Offene Flächen traten an die Stelle geschlossener Strukturen, Kommunikation wurde zum Leitmotiv. Das Büro sollte zum Dorfplatz werden, auf dem sich die Mitarbeiter zum Austausch treffen. Laut einer aktuellen CBRE-Erhebung bewerten 66 Prozent der Beschäftigten ihr Bürokonzept im Hinblick auf soziale Interaktion als „sehr effektiv“.
Doch der Denkfehler moderner Bürokonzepte liegt darin, dass der Austausch zur Leitidee geworden ist. Zu selten steht die Frage im Mittelpunkt, was Beschäftigte nach Besprechungen, Netzwerken und Gesprächen mit anderen sonst noch tun. Wenn Mitarbeiter für konzentrierte Aufgaben im Homeoffice bleiben, ist die Arbeitsumgebung im Büro zu schlecht. Mit Zwang lässt sich das nicht lösen. Ein Büro ist erst dann gut, wenn Menschen freiwillig hingehen wollen.
Doch Einzelbüros sind häufig offiziell oder inoffiziell Führungskräften vorbehalten. Ein Controller, der eine Bilanz prüft, ein Unternehmensjurist, der einen Vertrag redigiert, eine Analystin, die ein Modell baut: Alle Mitarbeiter brauchen zumindest zeitweise einen geschlossenen Raum für sich.
Künftig wird der Bedarf dafür größer.
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