Georgischer Asylbewerber: Sie drohen, ihm die Knochen zu brechen
Am 5. Juli 2021 habe er beschlossen, seinen Job bei der Polizei zu kündigen, sagt Giorgi Iremashvili. An jenem Tag haben in Georgiens Hauptstadt Tiflis Rechtsextremisten unter den Augen seiner Kollegen mit Gewalt die Pride Parade der LGBTQ-Bewegung verhindert, die Büros von Menschenrechtsorganisationen geplündert und gezielt Journalisten angegriffen, die über die Ausschreitungen berichteten. 53 Medienvertreter wurden verletzt, einige von ihnen schwer.
Iremashvili war damals ein ranghoher Beamter der georgischen Polizei. Am Tag der Krawalle war er nicht im Dienst. Aber als er sah, was passierte, sei ihm sofort klar gewesen: „Es war kein Zufall, dass zu wenig Polizei im Einsatz war. Die Eskalation war gewollt.“ Wenige Wochen später quittierte er den Dienst. „In diesem System konnte ich nicht mehr bleiben“, sagt Giorgi Iremashvili.
Fünf Jahre später lebt er in einem kleinen Ort in Süddeutschland und fürchtet, nach Georgien abgeschoben zu werden. „Mir drohen dort Haft und Misshandlung, vielleicht der Tod“, sagt er. Ehemalige Kollegen haben in Messenger-Nachrichten angekündigt, ihm die Knochen zu brechen und ihm Rauschgift unterzuschieben, sollte er wieder in Georgien auftauchen. „Man kann diese Polizei nicht einfach verlassen, das ist wie bei der Mafia. Gegen Leute, in denen sie Verräter sehen, gehen sie besonders aggressiv vor“, sagt er.
Bei seiner Kündigung gab er gesundheitliche Gründe an, einige Monate später, im Frühjahr 2022, reiste er aus Georgien nach Israel aus. Als seine Aufenthaltserlaubnis dort ohne Möglichkeit einer Verlängerung endete, ging er nach Deutschland, wo er vor mehr als zwanzig Jahren studiert hat, und beantragte Asyl.
Nachdem er Georgien verlassen hatte, begann Iremasvhili, öffentlich über die Zustände in den Sicherheitskräften des Landes zu reden. In einem Interview mit dem regierungskritischen georgischen Fernsehsender Formula TV berichtete er im September 2022 darüber, wie in Georgien ausländische Diplomaten, Politiker und Journalisten systematisch illegal abgehört würden.
Er schilderte, wie der damalige Ministerpräsident Irakli Gharibaschwili in seiner Zeit als Innenminister daran beteiligt gewesen sei, die Gewalttat eines nahen Verwandten zu vertuschen, den er in eine Führungsposition bei der Polizei befördert hatte. Die Journalisten des Senders konnten Iremashvilis Darstellung durch eigene Recherchen bestätigen.
In einem späteren Interview schilderte er Hintergründe des spektakulären Mordes an einem jungen IT-Unternehmer, die Georgiens Polizei schlecht aussehen ließen. Und er half bei einer Recherche der BBC, die die Mutmaßung erhärtete, dass Georgiens Sicherheitskräfte vor zwei Jahren Substanzen gegen Demonstranten eingesetzt haben, die im Ersten Weltkrieg als chemische Waffen verwendet worden waren.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sieht dennoch keine Gefahr für Iremashvili in Georgien: Es hat seinen Asylantrag als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt. Seine Furcht vor Verfolgung lasse sich „nicht objektivieren und entspricht auch nicht den Verhältnissen im Heimatland“, heißt es in dem Bescheid, der der F.A.Z.
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