Ja! Warum das Sinn macht - Mit 80 noch ChatGPT und Co. lernen?
Jeder, der Eltern oder Großeltern im fortgeschritteneren Alter hat, kennt die Situation. Wenn es darum geht, neue Technik zu erklären, kann es kompliziert werden. Die dramatisch schnelle Entwicklung der künstlichen Intelligenz stellt ältere Menschen vor neue Herausforderungen: Großmutter, du musst jetzt KI lernen! Denn auch die ältere Generation ist im Alltag immer mehr von moderner Technologie abhängig – und gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen.
Eine Bitkom-Studie ergab, dass Menschen über 65 ihre eigene Digitalkompetenz im Schnitt nur mit der Schulnote 4,3 bewerten (bei über 75-Jährigen sogar mit 4,8). Aber das zeigt eher ihre Unsicherheit als eine tatsächliche Unfähigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Es gibt keine feste Altersgrenze, ab der man keine neuen Technologien mehr lernen kann – die Annahme, die Gehirnleistung nehme im Alter automatisch ab, ist veraltet!
Im Gegenteil: Die Auseinandersetzung mit neuen Technologien wirkt geistig stimulierend (ähnlich wie Lesen oder Musizieren ) und kann sogar davor schützen, geistig abzubauen. Ältere Menschen lernen den Umgang mit neuen Medien allerdings leichter, wenn sie darin einen konkreten Nutzen sehen, so eine in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie zitierte Untersuchung. Das heißt: Der neue Lernstoff muss an bekanntes Wissen anknüpfen.
Der Pfälzer Klaus Jürgen Lapp (64) hat KI in einem Alter entdeckt, in dem andere schon an den Ruhestand denken. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er als IT-Unternehmer, Berater für Unternehmen und Dozent in der Erwachsenenbildung. „Mich hat immer interessiert, was mit Menschen passiert, wenn sie anfangen, Technik wirklich zu verstehen“, sagt der Pfälzer. Nach einer Hüft-OP war er ans Bett gefesselt und begann, sich mit KI zu beschäftigen. Später schrieb er ein Buch darüber – über das Lernen im Alter und darüber, was mit uns passiert, wenn wir mit einer KI sprechen. „Ich habe erlebt, wie sich durch KI noch einmal ein ganz neuer Zugang zu Sprache, Wissen und Ausdruck öffnen kann, gerade in einem Alter, in dem viele vielleicht eher denken: Muss ich mich damit wirklich noch beschäftigen?“
Deshalb gibt Lapp seit einiger Zeit in seinem Schulungszentrum in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) Seminare für Menschen, die den Umgang mit Künstlicher Intelligenz lernen wollen – darunter auch viele Rentner. „KI kommt massiv in allen Bereichen – aber viele werden damit alleingelassen, Jüngere wie Ältere“, sagt der Trainer. „Die Gespräche darüber laufen in elitären Blasen, aber die holen die Menschen nicht ab. Dabei sehe ich auch sehr deutlich, wo KI im Alltag tatsächlich helfen kann und wo sie schlicht nichts bringt oder der Mensch das bessere Gegenüber bleibt.“ Etwa im persönlichen Gespräch unter Freunden, in der Familie oder auch beim Arzt oder mit einer anderen Vertrauensperson.
Braucht man mit 80 wirklich noch ChatGPT und Co? Lapp nennt Beispiele, wie er Rentnern beibringt, eine KI im Alltag zu nutzen.
Erstens: „Für Formulare und Behördenkram. Ob Steuererklärung, Umsatzsteuervoranmeldung oder Anträge – einfach fotografieren, der KI geben und sich beim Ausfüllen helfen lassen.
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