"Wir wussten Bescheid": Musialas erneuter K.o. und die offenen Fragen
Die beste Nachricht des Tages schickte Jamal Musiala an diesem gruseligen Dienstagabend selbst in die Welt. Ihm gehe es gut, erklärte er nach seinem erneuten Zusammenbruch im Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim. Wie schon drei Tage zuvor gegen RB Leipzig kollabierte der Nationalspieler am Rande des Spielgeschehens. Mitspieler, Teambetreuer sowie Ärzte eilten herbei. Bange Momente für alle im Stadion.
Inzwischen ist auch klar, was die Blackouts auslöst. Musiala leidet an einer neurologischen Dysfunktion, die dafür sorgt, dass er immer wieder "temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen" erleidet, wie er selbst in seinem Instagram-Post erklärte.
Musiala gab nach der Partie weitgehend Entwarnung. Er sei "diesbezüglich in bester medizinischer Behandlung" und blicke "optimistisch in die Zukunft", schrieb der Bayern-Profi. Die genannten Absencen sind laut Mediziner Christoph Specht "gut behandelbar". "Dafür gibt es Medikamente. Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum er nicht Fußball spielen sollte", sagte er bei RTL/ntv. Was die Diagnose für Musialas weitere Karriere genau bedeutet, ist aber noch nicht abzusehen.
Nach den großen Sorgen kurz zuvor klangen die Reaktionen am Abend etwas beruhigender. Doch der Abend lässt auch offene Fragen zurück.
Zum einen die ganz offensichtliche: Wie geht es nun mit Musiala weiter? Wie lange der Tempodribbler vorerst pausieren muss und wie Trainer Vincent Kompany mit ihm plant, ist noch völlig unklar. Am Samstag startet der FC Bayern mit dem Supercup gegen Borussia Dortmund ( 20.30 Uhr/Sky, Sat.1. und im ntv.de-Liveticker ) in die neue Saison.
Bayerns Sportvorstand Max Eberl erklärte nach der Partie und noch vor dem Statement von Musiala: "Wir wussten und wissen Bescheid". Das wirkte erst etwas nebulös, lässt aber auch die Frage im Raum stehen: Wer genau im Klub wusste alles von der genauen Diagnose und wer entschied, dass Musiala auch gegen Heidenheim spielt?
Und hätte der Klub seinen Spieler möglicherweise vor sich selbst schützen und einen erneuten Einsatz nur drei Tage nach dem ersten Kollaps unterbinden sollen oder gar müssen? Genauere Erklärungen des Rekordmeisters zu den Hintergründen stehen noch aus.
Bei Instagram schrieben die Münchner: "Wir stehen immer an deiner Seite, Jamal!" Auch viele Stars wie Manuel Neuer, David Alaba, Florian Wirtz, Lothar Matthäus oder Leroy Sané kommentierten das Statement. "Bleib stark", hieß es etwa.
Musiala nahm die Verantwortung in seiner Erklärung offensiv auf sich. Er selbst war sich des Risikos seines schnellen Comebacks bewusst gewesen. "In enger Abstimmung und in regelmäßigem Austausch mit den Experten ist es mein persönlicher Wunsch gewesen, mich der Herausforderung zu stellen und mit der Freigabe der neurologischen Fachärzte mich weiter dem zu widmen, was mir bei der Genesung am meisten hilft: Einfach meinen Alltag zu leben und meiner Passion Fußball zu spielen weiter nachzugehen", verkündete er.
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