Lese für den neuen Jahrgang: Umplanen im Winzerland – Oliven statt Wein?
Für die etwa 3.400 Winzer in Franken beginnt in diesen Tagen die Hauptweinlese. Die Weinwirtschaft kämpft aktuell mit einer Vielzahl von Problemen. Zum einen wird weniger Alkohol getrunken, und wenn, dann stammen nur vier von zehn bundesweit geleerten Weinflaschen aus Deutschland. Neben den sinkenden Absätzen steigen die Kosten kontinuierlich etwa für Mindestlohn oder Sprit. Immer mehr Betriebe geben Flächen auf, andere planen um – und pflanzen vielleicht bald neue Kulturen.
Nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands werden im Schnitt im Weinanbaugebiet Franken jährlich rund 400.000 Hektoliter Wein erzeugt. Die Anbaufläche erstreckt sich in etwa von Bamberg bis Aschaffenburg.
Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt 72 Hektoliter je Hektar und damit etwa 2 Bocksbeutel je Rebe. Insgesamt hatte Franken 2025 eine Ertragsrebfläche von rund 6.000 Hektar, 380.771 Hektoliter Wein wurden nach Angaben des Landesamts für Statistik registriert.
Bei knapp 56 Prozent der bayerischen Weinerzeugung handelt es sich um Qualitätswein mit Prädikat. Die Menge entsprach rund 38 Millionen Litern oder etwas mehr als 50 Millionen Weinflaschen.
Ja, und diese Entwicklung ist seit Jahren absehbar. Von der Blüte bis zur Lese waren es im Mittel von 1971 bis ins Jahr 2000 etwa 102 Tage, mittlerweile sind es in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt nur noch 96 Tage gewesen. Zugleich müssen die Trauben in sehr kurzer Zeit eingebracht werden.
Um die Jahrtausendwende herum habe die Lese der frühen Sorten wie Bacchus oder Müller-Thurgau Ende September begonnen, die Haupternte im Oktober, sagt Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. «Wir sind jetzt an die vier Wochen früher dran.»
«Der Reifezeitpunkt ist in diesem Jahr sehr abhängig von der jeweiligen Weinlage und Wasserversorgung», berichtet Michael Zehnder vom Weinbauverband.
Eine zeitigere Reife beeinflusst den Säure- und Zuckergehalt des Weines. Die Säure sinkt, der Zuckeranteil in den Beeren nimmt zu, wie Heßdörfer erklärt. Mehr Zucker bedeute mehr Alkohol – und das wollten die Winzer verhindern, weil es seit Jahren einen Trend zu leichteren Weinen gebe.
Fehlt Säure, sei der Traubensaft anfälliger für Fehlgärungen, bei denen sich der Wein nicht wie vorgesehen entwickelt. Statt sauber Alkohol und Aromen zu bilden, erzeugen Hefen oder Bakterien störende Nebenprodukte. Eine frühe Ernte nicht vollständig ausgereifter Trauben bedeutet dem Wissenschaftler zufolge aber auch weniger Aroma.
Das hängt von vielen Faktoren ab. Bacchus und Müller-Thurgau reifen sehr früh und werden letztlich wahrscheinlich ersetzt werden müssen. Der Silvaner - das Aushängeschild der fränkischen Winzer – ist zwar resilienter. Dennoch braucht auch er ausreichend Wasser, damit die Trauben wachsen.
Über kurz oder lang werden die Winzer wohl nicht daran vorbeikommen, wärmeliebendere Reben wie den Chardonnay oder Burgunder-Sorten zu pflanzen, sagt Heßdörfer. «Das muss natürlich dann auch marktangepasst vonstattengehen.»
«Je nach Lage befinden sich teils Junganlagen und nachgepflanzte Reben trotz Bewässerung in kritischem Zustand», berichtet Verbandssprecher Zehnder.
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