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Medizinischer Dienst: Mehr Todesfälle durch Behandlungsfehler

Tagesschau Inland ·
Medizinischer Dienst: Mehr Todesfälle durch Behandlungsfehler

Jahresbericht Medizinischer Dienst Mehr Todesfälle durch Behandlungsfehler Stand: 20.08.2026 • 14:22 Uhr

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 3.000 medizinische Behandlungsfehler bestätigt. 97 von ihnen hatten tödliche Folgen, zeigt eine aktuelle Statistik. Doch die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher.

Rund 11.700 Verdachtsmeldungen auf medizinische Behandlungsfehler haben Experten im vergangenen Jahr im Auftrag der Krankenkassen überprüft. In knapp 3.100 Fällen wurden entstandene gesundheitliche Schäden bestätigt - also in etwa jedem vierten Fall. Das war etwas weniger als noch 2024 , wie der Medizinische Dienst der Krankenkassen mitteilte.

In 2.700 Fällen seien die Fehler auch Ursache des erlittenen Schadens gewesen. In 97 Fällen führten sie zum Tod von Patienten oder trugen wesentlich dazu bei.

Rund 150 Vorfälle stuften die Gutachter als besonders schwerwiegend ein. In Fachkreisen werden solche Ereignisse auch als "never events" bezeichnet, die unbedingt zu vermeiden sind. Dazu zählen gravierende Medikationsfehler, im Körper vergessenes Operationsmaterial oder die Verwechslung von Patienten oder Körperteilen. Im Jahr 2024 hatte es 134 Fälle dieser Art gegeben.

Zwei Drittel der vermuteten Fälle bezogen sich den Angaben zufolge auf stationäre Behandlungen vor allem in Krankenhäusern. Etwa ein Drittel entfiel auf den ambulanten Bereich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland im Jahr 2024 allein 17,5 Millionen Menschen stationär in Kliniken behandelt.

Fast 30 Prozent der Vorwürfe betrafen Behandlungen aus dem Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie. Andere Fachkreise waren weit weniger vertreten. Rückschlüsse auf das Sicherheitsniveau lasse das aber nicht zu, betonte der Medizinische Dienst.

Häufungen von Verdachtsmeldungen in einem Fachgebiet zeigten, dass Patienten auf Ergebnisse reagierten, die nicht ihren Erwartungen entsprächen. Bei chirurgischen Eingriffen seien Fehler für sie in der Regel leichter zu erkennen als in anderen Bereichen. Deshalb gebe es bei Operationen eher Vorwürfe als bei anderen Behandlungen.

Durch Behandlungsfehler entstehen dem Gesundheitswesen offenbar jedes Jahr massive Kosten. mehr

Nach Einschätzung des Medizinischen Dienstes sind die statistischen Zahlen nur ein kleiner Ausschnitt des tatsächlichen Fehlergeschehens. "Die Dunkelziffer ist hoch und darf nicht länger kleingeredet werden", forderte der Vorstandsvorsitzende Stefan Gronemeyer.

Wissenschaftliche Untersuchungen gehen davon aus, dass es bei etwa zwei bis vier Prozent der stationären Behandlungen zu vermeidbaren Schäden kommt. Auf Deutschland übertragen entspricht das einer Größenordnung von rund 350.000 bis 700.000 Fällen pro Jahr.

Nach Schätzungen der OECD gehen 15 Prozent der Kosten in der stationären Versorgung auf vermeidbare Behandlungsfehler und Schäden zurück. Übertragen auf die Krankenhausausgaben in Deutschland wären das etwa 16,7 Milliarden Euro.

Der Medizinische Dienst fordert sanktionslose Meldesysteme für schwere Schadenereignissen und eine gesetzliche Verpflichtung zur umgehenden Patienteninformation durch die behandelnden Ärzte.

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