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Politik

Wachstum: Wieder größere Sorge um wirtschaftliche Lage als um Klimawandel

FAZ Politik ·
Wachstum: Wieder größere Sorge um wirtschaftliche Lage als um Klimawandel

Die Deutschen halten den Umgang mit der trüben wirtschaftlichen Lage für ein immer drängenderes Problem. Das geht aus dem Sozialökologischen Panel des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor, dessen Ergebnisse der F.A.Z. vorab vorliegen.

Die vielfach ausgesprochenen Mahnungen von Ökonomen und Politikern zum nur sehr geringen Wirtschaftswachstum scheinen demnach bei den Deutschen zu verfangen. Mittlerweile benennen 37 Prozent der Befragten die Konjunktur als eine der beiden wichtigsten Herausforderungen in Deutschland. Im Jahr 2022, das vom Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine geprägt war, lag der Wert noch bei 12,7 Prozent. Seitdem hat er stetig zugelegt.

Nicht ganz so rasant, aber immer noch recht deutlich hat die Bedeutung der internationalen Sicherheitslage in der öffentlichen Wahrnehmung zugenommen. Der Umgang mit dem Klimawandel rückt bei vielen Befragten hingegen langsam, aber stetig in den Hintergrund. 2021 benannten noch 59,3 Prozent die Erderwärmung als eine der beiden wichtigsten Herausforderungen. Mittlerweile ist es nur noch knapp die Hälfte.

Dabei ist die Anerkennung der Existenz des Klimawandels mit 93,9 Prozent nahezu unverändert hoch. Leicht gestiegen ist seit 2021 die Anzahl der Befragten, die seine Ursachen überwiegend natürlichen Faktoren und nicht dem menschlichen Verhalten zuschreiben (inzwischen 6,7 Prozent). 72,4 Prozent derjenigen, die die Erderwärmung für existent halten, halten sie zudem für überwiegend menschengemacht. Zugleich sinkt die Bereitschaft, für den Schutz der Umwelt Einbußen beim Wirtschaftswachstum in Kauf zu nehmen: Nur noch 51,8 Prozent der Befragten befürworten dies, nach 64,7 Prozent im Jahr 2022.

Immer mehr Befragte befürworten den Ausbau der Stromnetze (88 Prozent). Die Zustimmung zu mehr erneuerbaren Energien ist ähnlich und unverändert hoch. Den Ausstieg aus der Stromerzeugung mittels Kohle finden knapp 78 Prozent richtig, den aus der Kernkraft 58 Prozent. 84 Prozent wünschen sich, dass Deutschlands Energieversorgung weniger abhängig von anderen Staaten werden sollte. Ein Verbot neuer Öl- und Erdgasheizungen befürworten 65,9 beziehungsweise 47,3 Prozent der Befragten, jeweils etwas mehr als in den beiden Jahren zuvor.

Für die repräsentative Umfrage, die von der Eon-Stiftung finanziert wird, befragt das Meinungsforschungsinstitut Forsa seit 2021 jedes Jahr dieselben mehr als 3000 Personen. Bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten ist, dass die letzte Befragung im Oktober und November vergangenen Jahres stattfand, also deutlich vor der Eskalation im Nahen Osten, der damit verbundenen Energiekrise sowie der großen Hitzewelle in diesem Sommer. Im Jahr 2025 war die deutsche Wirtschaft real nur um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, in den beiden Jahren zuvor sogar jeweils leicht geschrumpft.

Stephan Muschick, Geschäftsführer der Eon-Stiftung, sieht in den Ergebnissen eine Mahnung an die Politik. Klimaschutz werde von der Bevölkerung langfristig nur dann akzeptiert, „wenn der Wandel fair gestaltet wird und die Menschen auch wirtschaftlich davon profitieren können“.

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