Sachsen-Anhalt-Wahl: Katholischer Bischof in Sorge wegen AfD
DW: Bischof Feige, schon vor Monaten hat die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD in Sachsen-Anhalt ein Regierungsprogramm vorgelegt. Es würde an mehreren Stellen die Kirchen massiv treffen: keine Staatsleistungen mehr, keinen Einzug der Kirchensteuern, keine Evangelische Akademie wegen Wegfall staatlicher Leistungen. Sind Sie am Ende, wenn eine AfD-geführte Landesregierung den Geldhahn zudreht?
Bischof Gerhard Feige: Ich glaube, dass Kirche unter sehr unterschiedlichen Bedingungen existieren und ihrer Aufgabe gerecht werden kann, mal mehr und mal weniger. Wir werden nicht am Ende sein. Ich will aber auch nichts beschönigen. Unsere Haushaltslage ist schon jetzt schwierig.
Bischof Feige: Etwa 20 Prozent unserer Haushaltsmittel sind tatsächlich Staatsleistungen. Ein Wegfall würde uns schon zusetzen. Aber wir leben immer noch in einem Rechtsstaat. Und was vertraglich abgesichert ist, kann nicht einfach ohne Verhandlungen und Gespräche, eventuell auch Prozesse gekündigt werden. Und wenn die katholische und die evangelische Kirche in Sachsen-Anhalt politisch angegriffen werden, richtet sich das auch gegen die beiden großen Kirchen in Deutschland. Dann sollte wohl eine bundesweite Solidarität greifen.
Die Frage staatlicher Leistungen und offizieller Verträge sind das eine, die einzelnen Menschen das andere. Sind Sie in Sorge um Menschen, die unter Druck geraten können?
Ja. Und ich mache mir auch Sorgen um das Klima der gesamten Gesellschaft. Schon jetzt zeigen sich große Verwerfungen und Polarisierungen, auch eine mentale und verbale Verrohung im Umgang miteinander. Das könnte noch zunehmen. Die Spaltung würde sich weiter auswirken auf viele einzelne Aktivitäten und eben sicher auf die Mentalität der Menschen. Schon jetzt sagen viele nicht mehr, was sie denken. Die Grenzen der Meinungen gehen durch Familien, Nachbarschaften und Freundschaften.
Momentan nicht. Meine Sorge gilt der gesamten Gesellschaft und der weiteren Entwicklung. Wie viele Leute werden abwandern? Sicher, es wird von AfD-Seite behauptet, dass dann Deutsche zurückkehren würden, die aufgrund angeblich katastrophaler gesellschaftlicher Verhältnisse ausgewandert sind. Das halte ich für Fantastereien.
Wie wirkt sich das auf die Geflüchteten und Migranten aus? Wie soll alles noch funktionieren, wenn ich bedenke, wie viele ausländische Fachkräfte mittlerweile im Gesundheitswesen, im Pflegebereich, im Dienstleistungs- und Gaststättenbereich tätig sind. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie eine rein deutsche Gesellschaft überhaupt existieren kann.
Sie selbst sind in der DDR aufgewachsen und lange vor dem Mauerfall zum Priester geweiht worden. Hätten Sie sich eine Rückkehr zu einer solchen Programmatik jemals denken können?
Eindeutig nein. Nie und nimmer. Wir waren dankbar und froh, 1989 war für uns eine Befreiung. Ich hätte nie gedacht, dass es mal zu einer solchen Entwicklung kommen würde.
Fühlen Sie sich an eigene DDR-Erfahrungen erinnert? Oder an Schilderungen aus der Nazi-Zeit? Charlotte Knobloch vergleicht die AfD mit der NSDAP …
Ich hätte mir nie vorstellen können, dass heute wieder so viele Menschen verführbar sein können.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.dw.com — der Inhalt gehört Deutsche Welle.