„Habe noch nie drüber gesprochen …“ - Das traurige Geheimnis von Pele Wollitz
Diese Geschichte hat Claus-Dieter „Pele“ Wollitz (61) lange beschäftigt! Der Trainer von Energie Cottbus spricht im BILD-Podcast „Phrasenmäher“ ausführlich über seine Karriere als Spieler und Trainer. Dabei erzählt Wollitz auch erstmals, wie er selbst im Zuge des Wettskandals von 2009 bei der Staatsanwaltschaft Bochum aussagen musste.
Wollitz war damals Trainer des VfL Osnabrück. Mehrere seiner damaligen Spieler gerieten unter Verdacht. Auch Wollitz selbst wurde vorgeladen.
Wollitz: „Du sitzt bei dieser Staatsanwaltschaft und die stellen dir Fragen. Das war für mich unfassbar. Das war so niederträchtig, dass du wirklich das Gefühl hattest, ey, du bist ja auch jemand, der Spiele verschoben hat. Und das als Cheftrainer.“
Wollitz: „Und dann habe ich irgendwann gesagt, ey, pass auf. Leute, das reicht mir jetzt wieder. Keine Ahnung, was ihr von mir wollt. Aber das Spiel spiele ich jetzt hier nicht mehr mit, weil du wirst da so erdrückt. Und ich habe 100 Prozent reines Gewissen. Im Gegenteil. Ich bin Opfer dieser Geschichte.“
Wollitz selbst wurde nie angeklagt. Auch sein damaliger Kapitän Thomas Reichenberger (51) geriet zunächst unter Verdacht. Im Dezember 2009 wurde er jedoch von einem der mutmaßlichen Drahtzieher der Wettmafia entlastet. Dieser ließ über seine Anwälte erklären, nie versucht zu haben, Reichenberger zu bestechen. Auch die Ermittlungsakten enthielten nach Angaben eines Anwalts keinen Hinweis auf den Stürmer. Anders Thomas Cichon (49) und Marcel Schuon (41): Sie wurden später wegen ihrer Beteiligung an Spielmanipulationen verurteilt.
Besonders eine Szene ließ Wollitz danach lange nicht los. Im Relegations-Rückspiel gegen den SC Paderborn am 1. Juni 2009 verschoss Cichon kurz nach der Halbzeit beim Stand von 0:0 einen Elfmeter. Osnabrück verlor das Spiel 0:1 und stieg in die 3. Liga ab. Der verschossene Elfmeter wurde in den Ermittlungen allerdings nie untersucht. Der Skandal blieb lange im Kopf des heutigen Cottbus-Trainers:
„Thomas Cichon war der sicherste Elfmeterschütze, den wir hatten. Der war so sicher, so cool und so kalt in solchen Situationen, im positiven Sinne. Und der verschießt plötzlich einen Elfmeter. Drei Monate später kommt diese Geschichte, dass Spiele davor verschoben worden sind. Danach hatte ich bei Fehlern von Spielern, die sie normalerweise nicht machen, ganz oft mit mir zu kämpfen. So extrem, das kann man sich gar nicht vorstellen. Da kam dann diese Vorstellung: ‚Boah, ist da wieder was?‘ Gott sei Dank habe ich mich irgendwann davon freigemacht.“
Heute hat Wollitz seinen Frieden mit der Geschichte gemacht. Auch der jüngste Aufstieg mit Energie Cottbus habe geholfen, einen Schlussstrich zu ziehen.
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