Wer steckt hinter RASF? - Provokante Plakate gegen die Smartphone-Sucht
Mit Slogans wie „Lieben statt Liken“ oder „Tanzen statt Twittern“ richtet sich die Radical Anti Smartphone Front (kurz: RASF) gegen den exzessiven Gebrauch von Smartphones. Ihre Aushänge sind inzwischen nicht nur in Berlin und Hamburg, sondern auch in London und Brüssel zu sehen. Die Bewegung will moderne Technik jedoch nicht grundsätzlich ablehnen, sondern für einen selbstbestimmten und bewussten Umgang mit digitalen Angeboten werben.
Die RASF platziert ihre Schilder und Flyer an Masten und Wänden im öffentlichen Raum. Mit auffälligen Botschaften sollen Passanten dazu gebracht werden, das Smartphone beiseitezulegen, einander anzusehen und wieder unmittelbar miteinander zu sprechen.
Nach Überzeugung der Bewegung verdrängt digitale Kommunikation zunehmend persönliche soziale Beziehungen. Ihr Manifest fordert jedoch weder die Entsorgung von Smartphones noch eine Rückkehr zur Brieftaube, sondern einen bewussteren Einsatz moderner Technik.
Damit greift die Initiative einen Gedanken auf, der sich auch im Trend „Friction-maxxing“ und beim Comeback des iPods zeigt. Technische Nutzung soll teilweise wieder mehr Aufwand erfordern, statt jede Handlung möglichst bequem und automatisiert zu gestalten. Ein Smartphone soll ein Werkzeug bleiben, das Zeit spart, statt Aufmerksamkeit zu binden.
Benno Flügel ist Mitbegründer und öffentliches Gesicht der RASF. Er rief die Initiative nach eigenen Angaben vor zehn Jahren mit einem Freund ins Leben. Bereits 2016 beschäftigte sie sich mit sogenannten „ Smombies “ und deren Wirkung auf Kinder.
Im Mittelpunkt stand damals die Frage, was es mit Kindern macht, wenn Erwachsene körperlich anwesend sind, ihre Aufmerksamkeit aber dauerhaft auf die digitale Welt richten. Danach wurde es eine Zeit lang still um die Bewegung.
In diesem Jahr nahm Flügel seine Arbeit wieder auf. Als Grund nennt er die ungezügelte Verbreitung von Lügen, Hass und Gewalt in sozialen Netzwerken. Mit seinen Aktionen wolle er Menschen zum Lachen und Nachdenken bringen sowie eine Debatte anstoßen.
Die Bezeichnung „radikal“ steht dabei nicht für eine vollständige Ablehnung von Smartphones oder sozialen Medien. Navigation, Kommunikation und der Zugang zu Wissen gelten auch der RASF als nützlich. Radikal sei vielmehr die Rebellion gegen den gesellschaftlichen Status quo.
Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen Selbstdarstellung, sozialen Vergleich, personalisierte Informationsblasen, Polarisierung und den Einfluss von Algorithmen. Viele digitale Kontakte und Follower könnten nach Auffassung der Initiative wenige enge Freundschaften nicht ersetzen.
Organisiert und betreut wird die Initiative bislang allein von Flügel, der sich als Aktivist und Künstler versteht. Zugleich hätten sich zahlreiche Menschen solidarisiert und identifizierten sich mit der Bewegung. Hinter den Aktionen stehe daher ein größerer Kreis von Unterstützern.
Die kurzen Botschaften sollen den Alltag im analogen Raum unterbrechen.
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