Krebs, Sepsis, Koma: Coen Duetz (67) überlebte 3 tödliche Krankheiten und verlor nie den Mut
Karl-Otto kam irgendwann im Jahr 2025. Seinetwegen hatte Coen Duetz eines Samstagabends Probleme beim Sushi-Essen . „Ich konnte nicht mehr schlucken“, sagt der Niederländer im Gespräch mit FOCUS online. „Ich habe das nicht mehr runtergekriegt und musste es wieder ausspucken.“
Zunächst habe sich der 67-Jährige nichts Böses dabei gedacht. Er habe sich nicht krank gefühlt. Durch einen befreundeten Arzt bekam er schnell einen Termin für die Magenspiegelung. Bei der Auswertung am 23. September 2025 dann die lebensverändernde Nachricht. „Es tut mir leid, das sieht nicht gut aus“, habe der Gastroenterologe gesagt. In der Speiseröhre war ein großer Tumor entdeckt worden, der bereits tiefer in das umliegende Gewebe eingewachsen war.
Duetz ist geschockt, muss die Nachricht sacken lassen. Es ist bereits das dritte Mal, dass eine schwere Krankheit sein Leben bedroht.
Mit 30 überlebte er eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung, die das Organ auf die zweifache Größe hatte anschwellen lassen. Ein Platzen der Bauchspeicheldrüse hätte seinen sicheren Tod bedeutet. 2008 oder 2009 erlitt er einen schweren Schub von Colitis Ulcerosa, einer entzündlichen Darmerkrankung, der fast in einem Darmdurchbruch endete. In einer umfangreichen OP wurden schließlich sein Dick- und Enddarm entfernt.
Nun also forderte der Krebs ihn heraus. Und Duetz nahm den Kampf an. An die Prognose von damals kann er sich nicht erinnern. „Mir ist das völlig wurscht, ob die Lebenschancen bei zehn oder 50 Prozent liegen. Ich wäre den Kampf trotzdem eingegangen.“
Das Mindset sei das Entscheidende, sagt der ehemalige Geschäftsführer des Modelabels Karl Lagerfeld. „Es macht letztendlich die paar Prozent aus, die man braucht, um da lebend rauszukommen.“
Damit er den Krebs besser bekämpfen kann, gibt er dem Tumor einen Namen: Karl-Otto. „Ich habe zu ihm gesagt: ‚Pass mal auf, mein Freund. Mit mir hast du dir den Falschen ausgesucht. Du schleichst dich durch die Hintertür in mein Leben – aber ich werde dich durch die Vordertür wieder rausschmeißen.“
Duetz unterzieht sich daraufhin im Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf einer relativ neuartigen Chemotherapie – der FLOT-Therapie, bei der vier Medikamente zur Behandlung unter anderem von Speiseröhrenkrebs zum Einsatz kommen. Außerdem erhält er eine Immuntherapie. Am 6. Januar 2026 wird Karl-Otto schließlich operativ entfernt.
Normalerweise sind derartige Eingriffe minimalinvasiv, also erfordern nur kleine Schnitte in die Haut. Aber durch Duetz‘ Vorgeschichte gestaltet sich die OP kompliziert. „Mein Bauchraum ist eine einzige Verwachsung“, sagt er. „Der Chirurg hat mir gesagt – und das gab mir schon ein mulmiges Gefühl –, dass er die notwendigen Blutgefäße nicht erkennen könne, die er braucht, um diese OP durchführen zu können.“
Die Chirurgen müssen Duetz „komplett aufschneiden“, von vorn und von der Seite. Um sich den Weg zur Speiseröhre zu bahnen, klappen sie seine rechte Lunge weg und drücken die Rippen auseinander. Zehn Stunden lang liegt der Niederländer auf dem OP-Tisch. Als er aufwacht, ist Karl-Otto weg. Duetz geht es gut.
In den Tagen darauf kommt der fünffache Vater langsam wieder zu Kräften.
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