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Weinbau auf dem Böddiger Berg: Waschbären, Klima, Handarbeit – Weinlese in Nordhessen

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Weinbau auf dem Böddiger Berg: Waschbären, Klima, Handarbeit – Weinlese in Nordhessen

Früher belächelt, heute gefragt: In Felsberg zeigt ein Verein, wie Weinbau in Nordhessen funktioniert – als „Nordenklave“ des Rheingaus, mit Leidenschaft und viel Pflege. „Wenn wir die Trauben zu lange stehen lassen, fressen die Waschbären sie uns weg“, sagt Klaus Stiegel.

Das Problem hätten Winzer in Südhessen wohl nicht, meint der Vorsitzende des Fördervereins Böddiger Berg, der einen der nördlichsten Weinberge Hessens bewirtschaftet.

Dort steht an diesem Wochenende die Lese an.

Gelegen ist das rund 1,4 Hektar große Anbaugebiet in Felsberg im Schwalm-Eder-Kreis gut 20 Kilometer südlich von Kassel.

Die Reben an dem Südwest-Hang an der Eder wachsen auf einem besonderen Boden aus Lava-Basaltgestein. „Das verleiht unserem Wein eine ganz besondere Note - leicht herb und rund“, sagt Stiegel.

Böddiger Berg gehört zur Weinregion „ Rheingau “ Der Weinberg gehört offiziell zur Weinregion „Rheingau“ und untersteht damit auch den entsprechenden Qualitätsvorgaben. „Der Böddiger Berg ist unsere Nordenklave“, sagt Dominik Russler , Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauverbands.

Auf dem Weinberg dürften dementsprechend etwa die gleichen Rebsorten angebaut werden wie im Rheingau. „Und die Mostgewichte für die Qualitätsstufen sind auch identisch mit denen im Rheingau.“ Das Mostgewicht gibt den Anteil der gelösten Stoffe (vor allem Zucker) im Traubensaft an, ein Hinweis auf den möglichen Alkoholgehalt des späteren Weines.

Mehr Sonne im Sommer Geerntet werden auf dem Böddiger Berg hauptsächlich die Rebsorten „Ehrenfelser“ und „Riesling“.

Das funktioniere immer besser auch im Norden Hessens, erklärt Stiegel.

Geschuldet sei das neben der intensiven Pflege der Traubenbestände auch den Klimaveränderungen. „Früher ist belächelt worden, in „Hessisch Sibirien“ mit sehr kalten Wintern Wein anzubauen“, sagt der 81-Jährige. „Wir haben zwar immer noch häufiger Spätfröste als im Süden.

Aber heute sind die Winter in Nordhessen bei Weitem nicht mehr so lang, der Frost ist nicht mehr so heftig und im Sommer haben wir viel mehr Sonne.“ „Grundsätzlich ist es durch den Klimawandel auch in Nordhessen möglich, mittlerweile Weinbau zu betreiben“, sagt auch der Sprecher des Deutschen Weininstituts in Bodenheim bei Mainz, Ernst Büscher.

Hinzu komme der spezielle Boden am Böddiger Berg, der sich schnell aufheize.

Wechselhafte Geschichte Die Ursprünge des Weinanbaus in der Region reichen Stiegel zufolge bis ins Mittelalter zurück.

Nachdem der Weinbau für Jahrhunderte zum Erliegen gekommen sei, habe der Bauunternehmer Georg Angersbach Anfang der 1950er-Jahre wieder damit begonnen.

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