Studie zeigt globale Effekte - Asiens Grün verändert das Wetter weltweit
Wenn China und Indien grüner werden, spürt das die ganze Welt: Forscher der Nanjing University of Information Science and Technology in China haben mit Simulationen gezeigt, dass die Begrünung durch Kettenreaktionen das Klima weit entfernter Regionen verändert – mit Abkühlung in Europa und Westasien und Erwärmung in Nordamerika.
Der Mechanismus ist komplex: Mehr Pflanzen geben mehr Feuchtigkeit an die Luft ab. Daraus entstehen Wolken, die Sonnenlicht zurückwerfen – und das verändert, wie sich die Luft über verschiedenen Regionen erwärmt. Verschieben sich diese Temperaturmuster, geraten auch die großen Windsysteme der Erde ins Wanken. Die Vegetation in Asien greift so in ein globales Netzwerk aus Luftströmungen ein.
China und Indien gehören zu den Regionen, in denen die Vegetation in den vergangenen Jahrzehnten besonders stark zugenommen hat. Doch mehr Grün bedeutet klimatisch nicht überall dasselbe, zeigt die im Fachjournal „Advances in Atmospheric Sciences“ veröffentlichte Studie.
In Indien selbst zeigten die Simulationen trotz mehr Vegetation steigende Temperaturen und verbreitet sinkende Niederschläge. Ein größerer Teil der zusätzlichen Feuchtigkeit wird vom Wind weggetragen, bevor sie sich lokal zu Wolken formen kann. Wolken aber blockieren Sonnenstrahlen – fehlen sie, heizt sich der Boden stärker auf. So erreicht mehr Sonnenenergie die Erde und erwärmt sie. „Begrünung führt nicht zwangsläufig überall zur gleichen Klimareaktion“, sagt Professor Miao Yu.
Wenn sich Wolken, Feuchtigkeit und Bodenwärme verändern, geraten auch die Winde in großer Höhe durcheinander. Die Simulationen zeigten: Davon sind starke Höhenwinde – sogenannte Jetstreams – betroffen, außerdem große Wellenbewegungen in der Atmosphäre, die Wettereinflüsse über Tausende Kilometer weitertragen können. „Die Atmosphäre verbindet Regionen, die weit voneinander entfernt erscheinen“, erklärt Leitautor Min Xiao.
Pflanzen binden zwar Kohlendioxid, verändern aber auch den Austausch von Wasser und Energie zwischen Land und Atmosphäre. Je größer die begrünten Flächen, desto weiter reichen die klimatischen Auswirkungen. Wer die Erde begrünt, verändert eben mehr als die Landschaft vor seiner Haustür.
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