Opfer vier Stunden an Stuhl gefesselt - Rocker folterten Ex-Mitglied wegen Tresor-Code
Meiningen (Thüringen) – Mit Kabelbindern sollen die angeklagten Rocker ihr Opfer an einen Stuhl gefesselt und immer wieder auf ihn eingeschlagen haben. Und das vier Stunden lang – bis das ehemalige Mitglied der Gringos MC den Code zum Tresor herausrückte. Am Montag begann am Landgericht Meiningen der Prozess gegen fünf Männer im Alter zwischen 26 und 49 Jahren aus dem Raum Schleusingen. Unter ihnen auch der mutmaßliche Präsident des Rockerclubs Gringos MC, Kevin H. (44).
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten erpresserischen Menschenraub, schweren Raub, Bandendiebstahl, gemeinschaftlichen Wohnungseinbruch und Drogenhandel vor. Staatsanwalt Alexander Littmann verlas die schweren Vorwürfe aus der Anklage: „Der vier Stunden gefesselte Geschädigte wurde immer wieder ins Gesicht geschlagen und damit bedroht, man werde ihm mit einer Rohrzange die Finger brechen, sollte er seine Besitztümer nicht herausgeben.“
Der Fall ereignete sich im Juli 2025: Demnach beschloss der Rocker-Boss, ein in Ungnade gefallenes Clubmitglied aus dem Schleusinger Chapter auszuschließen und sich zugleich dessen Vermögenswerte anzueignen. Das spätere Opfer wurde unter einem Vorwand zum rituellen Ausschluss gelockt. Dabei waren offenbar auch Rocker anderer Clubs zugegen. So auch der Angeklagte Steven A. (39), laut Staatsanwaltschaft Mitglied des Rockerclubs Bandidos, als dessen Unterstützer der Gringos MC gilt.
Während der Gefesselte im Clubhaus bewacht wurde, sollen andere zu dessen Wohnhaus gefahren sein. Dort sollen sie mehr als 50.000 Euro Bargeld, einen Mercedes C-Klasse, einen Audi A3 und mehrere Motorräder (u.a. Suzuki Bandit, Kawasaki Ninja) inklusive der Zulassungen an sich genommen haben. Der Gesamtschaden liegt demnach bei rund 160.000 Euro.
Dem mutmaßlichen Gringos-Präsidenten werden zudem mehrere Drogengeschäfte vorgeworfen: Laut Anklage soll er bereits 2023 beschlossen haben, in den Großhandel mit Methamphetamin einzusteigen. In mehreren Fällen soll er Kilo der harten Droge verkauft haben. Außerdem sollen Mitglieder der Gruppe im Januar 2025 in das Haus eines Geschäftsmannes eingebrochen sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter das Anwesen zuvor ausgespäht hatten. Ihre Beute laut Anklage: 845.000 Euro Bargeld aus mehreren Geldkassetten.
Auf die Spur der Rocker kamen die Ermittler schließlich durch das verstossene Clubmitglied: Der Mann wandte sich an die Polizei. Es folgten Razzien in Thüringen , Bayern und Sachsen. Dabei wurden Fahrzeuge und Motorräder beschlagnahmt. Drei der Angeklagten sitzen seit ihrer Festnahme Anfang Dezember 2025 in Untersuchungshaft.
Zum Prozessauftakt schwiegen die Angeklagten. Den Haupttätern drohen Freiheitsstrafen von nicht unter fünf Jahren. Der Prozess wird am 29. September fortgesetzt. Verhandlungen sind bis November angesetzt.
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