30 Jahre Chabad in Berlin: mehr Platz für jüdisches Leben
Die Synagoge im Berliner Ortsteil Wilmersdorf ist noch keine 20 Jahre alt. Und doch hegt die jüdische Gemeinde Chabad Berlin Ausbau-, ja Neubaupläne . Bis zum Jahr 2030 sollen hier statt aktuell 200 Gläubigen bis zu 600 Gläubige Platz Platz finden.
"Es ist einfach notwendig", sagt Rabbiner Yehuda Teichtal der DW zu den Bauplänen. Die jetzige Zentrale Synagoge sei zu klein. Schon an normalen Wochenenden seien die 200 Plätze besetzt. Bei besonderen Familienfesten wie Geburten oder Hochzeiten drängten sich manchmal 300 oder 400 Menschen in die Synagoge, zu den hohen jüdischen Feiertagen kämen bis zu 1000 Beter.
Yehuda Teichtal, aus dessen Familie Dutzende Verwandte im Holocaust ermordet wurden, ist Oberrabbiner der Chabad-Gemeinde in Berlin . Vor 30 Jahren kam der heute 53-jährige mit seiner Frau aus New York, wo die Chabad-Bewegung ihren zentralen Sitz hat, in die deutsche Hauptstadt. Mit seinem öffentlichen Engagement, auch mit seiner Vernetzung in der Berliner Landes- und der Bundespolitik quer durch die Parteien ist er vermutlich der prominenteste Rabbiner in Deutschland. Er selbst bezeichnet sich als "orthodox und offen".
Zur Chabad-Gemeinde gehören laut Teichtal um die 4000 Mitglieder. Sie betreibt mittlerweile kleinere Synagogen in mehreren Teilen der Hauptstadt, auch am Alexanderplatz und in Friedrichshain. Zum 2023 eröffneten Jüdischen Campus in Wilmersdorf gehören ein Kindergarten und eine Schule, von der ersten Klasse bis zum Abitur. Und als nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine jüdische Flüchtlinge aus dem Land nach Berlin kamen, eröffnete Teichtal das einzige jüdische Flüchtlingsheim in Deutschland.
Am Wochenende feiert die Chabad-Gemeinde Berlin mit einem Festakt ihr 30-jähriges Bestehen. Mit einem Straßenfest rund um den Jüdischen Campus, Live-Musik, jüdischer Küche und einem Festakt. Geplant ist auch der Beginn einer neuen "Tora für Deutschland", die vollständig in Deutschland von Hand geschrieben werden soll. Und in Virtual-Reality können die rund tausend erwarteten Besucher die geplante neue Zentrale Synagoge betreten.
Auf Werbetafeln in verschiedenen Teilen der Stadt, in Kreuzberg ebenso wie am Kurfürstendamm, gratuliert Bundestagspräsidentin Julia Klöckner der Gemeinde und macht auf das Jubiläum aufmerksam. Jüdisches Leben sei "Teil des Fundaments, auf dem dieses Land steht", so Klöckner in der Chabad-Ankündigung der Feier. Seit 30 Jahren stärke die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin dieses Fundament, "durch Glauben und Tradition, durch Bildung und Begegnung, durch Gemeinschaft und Offenheit – und nicht zuletzt dadurch, jüdisches Leben sichtbar zu machen".
Yehuda Teichtal steht für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens. "Wer baut, der bleibt", sagt er zum Jüdischen Campus und zum Synagogenbau.
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