Einnahme von Supplementen: Das gute Gefühl von Nahrungsergänzungsmitteln
Gesundheit lässt sich kaufen. Für jedes Problem gibt es heute eine passende Kapsel oder ein Pulver. Fehlt erholsamer Schlaf, greifen Verbraucher zu Melatonin. Sieht die Haut müde aus und legt sich in Falten, soll Kollagen für Straffung sorgen. Wer möglichst ohne Infekt durch die Erkältungsmonate kommen will, wirft sich vorsichtshalber schon mal einen Vitamin-Komplex ein. Und auch gegen Blähbauch, so werben Hersteller gerne, sind Probiotika, dem Darm zugeführte Bakterien und Hefen, eine Allzweckwaffe, die auch beim Abnehmen helfen soll. So einfach, so gut.
Der Effekt, den die Einnahme von Supplementen auf den Körper hat, mag dabei häufig eher psychologisch sein. Es geht um ein gutes Gefühl. Das schlechte Gewissen nach einem verspeisten Döner, einer Fünf-Stunden-Nacht, zu wenig Bewegung im Alltag und zu viel Stress auf der Arbeit lässt sich so beruhigen. Außerdem passt es zum Longevity-Streben. Was soll an Produkten, die in der Apotheke verkauft werden, schon schlecht sein?
Genügend Studien belegen, dass ein Mangel an Vitaminen und Nährstoffen tatsächlich nur wenige Menschen betrifft. Solche, die sich vegan ernähren, zum Beispiel. Oder solche, die unter einer chronischen Erkrankung leiden. Dass inzwischen rund 77 Prozent der Deutschen in Studien angeben, regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu konsumieren, stimmt nachdenklich. Zwar ist es nicht schlimm, wenn der Körper mal mehr Vitamin C aufnimmt, als es die empfohlene Tagesdosis vorsieht. Das, was zu viel ist, wird einfach ausgeschieden. Doch können dauerhaft zu hoch konsumierte Dosen gewisser Stoffe auch ungesund sein. Zu viel Eisen kann zum Beispiel Organe wie Herz und Leber schädigen.
Die EU versucht seit Jahren Regeln festzulegen, um Dosierungen einen Deckel aufzusetzen und den regulatorischen Flickenteppich in Europa zu beenden. Dass sogar Hersteller sich für eine einheitliche Regel aussprechen, ist ein deutliches Signal. Leider kommen wie so oft auf EU-Ebene andere Gesetze dazwischen, die zunächst dringlicher erscheinen. Der Abbau von Bürokratie oder der Handel von CO₂-Zertifikaten sind nur zwei Beispiele. In der Branche wird vermutet, dass die Verordnung dennoch in diesem Jahr kommen könnte. Das wäre zu hoffen. Zumal wenn es Hersteller nun auch noch mit der Abnehmspritze aufnehmen wollen.
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