Heimliche Gegenoffensive - Ukraine drängt Russen bei Lyman zurück
Lyman (Ukraine) – Die Ukraine hat offenbar eine der erfolgreichsten Gegenoffensiven des Jahres 2026 durchgeführt. Über mehrere Monate hinweg gelang es Einheiten des 3. Armeekorps, russische Truppen nördlich von Lyman zurückzudrängen und einen russischen Frontvorsprung zu zerschlagen. Moskau hatte rund ein Jahr an dessen Aufbau gearbeitet.
Nach Schätzungen von Analysten eroberte die Ukraine dabei rund 150 bis mehr als 200 Quadratkilometer Gebiet zurück. Russische Einheiten wurden in Teilen des Frontabschnitts bis an den Fluss Scherebez zurückgedrängt. Die Offensive verringerte zugleich die Bedrohung für die strategisch wichtige Stadt Lyman und erschwerte russische Vorstöße in Richtung Slowjansk sowie im nördlichen Donbass.
Bemerkenswert ist die offenbar konsequente Geheimhaltung der Offensive. Über Monate blieb die Operation weitgehend unbeachtet, während ukrainische Kräfte ihre Positionen ausbauten und russische Truppen schrittweise zurückdrängten.
Russische Militärblogger räumen laut dem „Institute for the Study of War“ (ISW) inzwischen ein, dass ukrainische Gegenangriffe bei Lyman seit Monaten laufen und sich die Lage für die russischen Streitkräfte verschlechtert hat. Demnach mussten russische Truppen bereits nicht näher benannte vorgeschobene Stellungen aufgeben.
In der russischen Militärblogger-Szene wächst die Kritik an der eigenen Führung. Mehrere Blogger beklagen eine Kultur geschönter Lageberichte, so das „ISW“. Scharf kritisiert wird das Phänomen der sogenannten Beautiful Reports – positiv gefärbte Meldungen über die Lage an der Front. Ein Russen-Blogger meint, die Praxis müsse „absolut verboten“ werden.
Die Offensive ist besonders peinlich für Wladimir Putin (73). Der Kreml-Chef hatte öffentlich die Einnahme der Stadt Swjatohirsk nordwestlich von Lyman bekannt gegeben. Ukrainische Streitkräfte demonstrierten wenig später öffentlich ihre vollständige Kontrolle über den Ort.
Trotzdem ist die Lage der Ukraine angespannt. Der Armee fehlen wichtige Patriot-Abfangraketen. So können die Verteidiger nur einen Bruchteil der nächtlichen russischen Raketen- und Drohnenattacken abfangen.
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