Südkorea: USA streichen gemeinsames Manöver nach Machtwort von Donald Trump zusammen
Washington und Seoul halten seit den Fünfzigerjahren gemeinsame Militärmanöver ab. Sie gelten als Signal der Abschreckung gegen nordkoreanische Aggressionen und für die Einsatzbereitschaft der Verbündeten. Einen Vorgang wie den aktuellen hat es in all den Jahren der militärischen Kooperation kaum je gegeben. Südkorea und die USA werden ihre derzeit laufenden Militärübungen um rund die Hälfte abkürzen.
Wie Südkoreas Generalstab mitteilte, wird das Manöver auf Wunsch der USA bereits am Freitag enden. Ursprünglich war geplant, dass die seit Montag laufenden Militärübungen mit dem Titel »Ulchi Freedom Shield« bis zum 27. August andauern. Diesem Schritt war ein Machtwort von US-Präsident Donald Trump vorhergegangen (mehr hier ).
Er hatte am Wochenende in einem Post auf der Onlineplattform Truth Social angekündigt, das gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea deutlich kleiner ausfallen zu lassen – weil nicht mehr genügend Zeit bleibe, um es komplett abzusagen.
Laut einem Bericht des öffentlich-rechtlichen südkoreanischen Rundfunksenders KBS sollen die Streitkräfte beider Länder zwar wie auch in vorherigen Jahren die Verteidigung gegen einen simulierten Angriff aus Nordkorea üben. Die zuvor ebenfalls vorgesehene Gegenoffensive wurde jedoch vollständig gestrichen. Von offizieller Seite wurde dieser Punkt bislang nicht bestätigt.
Südkoreas Außenminister Cho Hyun erklärte bei einer Anhörung im Parlament in Seoul am Mittwoch, man sei von Trumps Ansage überrumpelt worden: »Unsere Regierungsvertreter haben – ebenso wie die Vertreter der USA – im Vorfeld nichts davon gewusst.«
Trump verwies zuletzt auf seine angeblich »sehr gute Beziehung« zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un . Die Militärmanöver sendeten ein »völlig unangemessenes und feindseliges Signal« an ein Land, das – solange er Präsident gewesen sei – keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, schrieb Trump.
Ungeachtet der jüngsten Entwicklungen reagierten Nordkoreas Staatsmedien mit scharfer Kritik auf die seit Montag laufenden Militärübungen. Feindliche Staaten, die die Souveränität Nordkoreas verletzten, würden »jederzeit ins Visier unserer vernichtenden Vergeltungsmaßnahmen« geraten, hieß es in einem Artikel der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, die als Sprachrohr des Machtapparats in Pjöngjang fungiert.
Unterdessen berichtete das »Wall Street Journal« unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte, Trump wolle Diktator Kim noch in diesem Herbst treffen. Offiziell gebe es zwar noch keine Planungen. Ein Treffen der beiden könnte demnach aber im November stattfinden, wenn sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt beim Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen Shenzhen begegnen werden. Der Gipfel ist für den 18. bis 19. November geplant.
Trump hatte Kim während seiner ersten Amtszeit mehrfach getroffen. Nach einem ersten Gipfel in Singapur 2018 endete die zweite Begegnung der beiden Staatschefs im folgenden Jahr in Hanoi in einem Eklat: Kim reiste noch vor Ende des offiziellen Programms ab.
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