UNICEF: Jeder fünfte Jugendliche digital sexuell belästigt
Dass das Internet kein sicherer Ort für Kinder und Jugendliche ist, ist längst bekannt. Soziale Medien binden mit ausgeklügelten Algorithmen die Aufmerksamkeit von Menschen jeden Alters - und spielen dabei immer wieder Inhalte aus, die für Heranwachsende gefährlich sein können. Studien haben Zusammenhänge zwischen dem sogenannten Doomscrolling und höherem Risiko für psychische Belastungen bis hin zu Suizidgedanken bei Jugendlichen belegt. Regelmäßig glorifizieren Tiktok-Trends selbstgefährdendes Verhalten sogar ganz unmittelbar.
In den USA hat Meta, der Betreiberkonzern von Instagram und Facebook, Ende August ein Gerichtsurteil per Vergleich abgewandt : Meta zahlt umgerechnet 14,3 Milliarden Euro an die klagenden Bundesstaaten und gewährt Jugendlichen täglich nur noch zwei Stunden auf seinen Plattformen; nachts wird der Zugang komplett gesperrt.
Eine Erhebung des UN-Kinderhilfswerks UNICEF legt nun den Fokus auf eine andere Gefahr, der Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt ständig ausgesetzt sind: Sexuelle Übergriffe sind dort ein Massenphänomen . Jeder fünfte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren hat im vergangenen Jahr einen sexuellen Übergriff erlebt - das ist eines der Haupterkenntnisse der repräsentativen Befragung in 21 Ländern.
Der UNICEF-Bericht, der der DW vorab vorlag, zeichnet ein detailliertes Bild, wie solche Übergriffe typischerweise ablaufen. "Es beginnt oft ohne Vorwarnung", schreiben die Autoren. "Aus einem Gespräch wird Zwang, und aus Zwang wird eine Falle."
Das Klischee des Wildfremden, der online Kinder und Jugendliche belästigt, trifft dabei nur in 16 Prozent der Fälle zu. Die meisten Täter, nämlich 57 Prozent, sind ihren Opfern schon vorher bekannt, etwa als Freunde, Familienmitglieder oder auch aus einer romantischen Beziehung. Dazu kommen 27 Prozent der Fälle, bei denen die Befragten keine Angaben machen konnten, wer hinter den Profilen steckt. Täter sind Erwachsene, aber auch Minderjährige - und in vielen Fällen finden Übergriffe nicht nur im digitalen Raum statt, sondern parallel dazu auch in der realen Welt.
Immer wieder üben Täter Druck auf ihre Opfer aus; dazu kommt in vielen Fällen Scham, die es den Betroffenen erschwert, sich jemandem anzuvertrauen. 41 Prozent der Befragten behielten ihre Erfahrungen komplett für sich, für andere waren Freunde, Geschwister oder Mütter die erste Anlaufstelle.
In den Bericht flossen Befragungen mit rund 21.000 Heranwachsenden im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren ein, die regelmäßig das Internet nutzen. UNICEF zufolge handelt es sich um einen repräsentativen Ausschnitt der Internetnutzenden in der Alterskohorte in ihren jeweiligen Ländern. Die Befragungen fanden in 21 Ländern statt, wobei die Datensätze aus zwölf Ländern (Äthiopien, Indonesien, Kambodscha, Kenia, Malaysia, Mosambik, Namibia, Philippinen, Tansania, Thailand, Uganda und Vietnam) bereits in den Jahren 2020 und 2021 erhoben wurden und in einem älteren Bericht ausgewertet wurden.
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