Syrien zwischen Trümmern und Tourismus
An der Mittelmeerküste Syriens kehren Touristen zurück, während Teile des Landes noch in Trümmern liegen. So entwickelt sich das Land seit dem Sturz des ehemaligen Machthabers.
Wir sind auf dem Weg nach Tartus, eine Stadt nördlich von Damaskus. Wohl weil hier einst viele Familienmitglieder des ehemaligen Machthabers Assad lebten, blieb die Hafenstadt im Bürgerkrieg von Bomben des Regimes verschont. Wir sind alle überrascht, auch unser erfahrenes Kamerateam, als wir den Strand voller Touristen sehen. Wir dürfen in einem Ressort drehen, einer großen Hotelanlage mit angeschlossenem Privatstrand. Es stellt sich heraus, dass es vor allem Syrer sind, die hier Urlaub machen, aus dem In- und Ausland.
In der Lobby des Hotels treffen wir Familie Sinan. Rahim Sinan leitet ein Krankenhaus in Damaskus und lebte 16 Jahre lang mit seiner Familie in Deutschland. Die zwei älteren Söhne, Jad und Tim, kehrten nicht dauerhaft zurück. Sind aber jetzt angereist, um mit den Eltern und den zwei jüngeren Geschwistern zum ersten Mal gemeinsam Urlaub in Tartus zu machen. "Obwohl das hier sehr teuer ist", sagt Rahim Sinan, aber ein paar Tage würden sie bleiben. "Und es ist das Beste, was es für Strandurlaub derzeit in Syrien gibt."
Der 22-jährige Jad lebt in Hamburg, studiert genauso wie sein Bruder Tim, der in Berlin wohnt, Medizin. Beide sagen, dass sie sich wieder relativ sicher fühlen in Syrien. "Auf jeden Fall sicherer", so Jad. "Es ist deutlich besser als vorher, aber es ist immer noch Luft nach oben."
Jad ist das erste Mal in Tartus. Sein Bruder Timm war mit Freunden vor zwei Jahren schon einmal hier. Noch vor dem Sturz Assads, und er habe sich nicht wirklich sicher gefühlt. "Weil wir nicht wussten, wann wir festgenommen werden, wann nicht, was erlaubt war und was nicht. Man merkt das jetzt auch an den Menschen, dass man sich sicher fühlt."
Die Hotelanlage, in der wir drehen dürfen, ist seit Wochen ausgebucht. Eine Übernachtung kostet mehr als 200 Dollar. Wohl deswegen bleiben die meisten nur ein paar Tage. Auch die 28-jährige Bia und ihre Freundin, die aus Damaskus gekommen sind. Wir treffen die beiden Stewardessen, die für eine syrische Fluggesellschaft arbeiten, am Strand.
"Ich fühle mich jetzt viel wohler. Ich fühle mich sicherer. Niemand nervt dich. Mir gefällt es hier wirklich gut", sagt Bia.
Wir sind erstaunt darüber, dass wir hier viele Frauen mit Bikini sehen. Aber auch komplett verhüllte Frauen, die auch so ins Wasser gehen. Es herrscht offenbar ein tolerantes Miteinander. Viele erzählen uns, dass es insgesamt mehr persönliche Freiheiten gibt.
Die Hafenstadt Tartus mit rund 450.000 Einwohnern ist nicht repräsentativ für Syrien . Sie ist weit weg von Regionen wie im Südwesten oder Nordosten des Landes, wo es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommt.
Und fest steht auch, dass rund 30 Prozent des Landes immer noch komplett zerstört sind. Wie Ghuta, das Gebiet bei Damaskus, das im Bürgerkrieg von Giftgas und Assads Fassbomben getroffen wurde. Es macht betroffen, diese Ruinen und Trümmerlandschaften zu sehen.
Ein völlig anderes Bild zeigt sich dagegen in der Altstadt von Damaskus.
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