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Politik

Geheimverfahren im Vatikan: Bleibt das Leid der Nonnen ungesühnt?

FAZ Politik ·
Geheimverfahren im Vatikan: Bleibt das Leid der Nonnen ungesühnt?

Wenn Leo XIV. Ende September zum ersten offiziellen Papstbesuch seit 18 Jahren nach Frankreich reist, wird er neben Paris und Metz auch den Marienwallfahrtsort Lourdes besuchen. Dort wird er an prominenter Stelle mit dem Fall des 71 Jahre alten slowenischen Mosaikkünstlers Marko Rupnik konfrontiert werden, gegen den im Vatikan ein kirchenrechtliches Verfahren wegen mutmaßlichen Missbrauchs läuft. Der Papst wird Rupnik begegnen, indem er dessen Werke gerade nicht zu Gesicht bekommt. Denn der Bischof von Tarbes und Lourdes, Jean-Marc Micas, hat im März 2025 verfügt, dass die riesigen Mosaiken aus der Werkstatt Rupniks, die 2008 am Portal und an den Eingangstüren der Basilika Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz angebracht wurden, mit Aluminiumplatten überdeckt werden.

Der symbolische Schritt solle „all jenen Menschen den Zutritt zur Basilika erleichtern, die bisher nicht über diese Türschwelle hinweggehen konnten“, begründete der Bischof die Entscheidung. Der Marienwallfahrtsort habe in den vergangenen Jahren für Überlebende sexuellen Missbrauchs eine besondere Bedeutung erlangt, sagte Micas. Viele von ihnen hätten gerade dort Trost und Heilung gesucht: „Lourdes ist Lourdes wegen der Unbefleckten Empfängnis.“ Und weil Rupnik über Jahrzehnte hinweg rund zwei Dutzend Nonnen und Novizinnen missbraucht haben soll, entschied sich der Bischof von Lourdes zu dem ungewöhnlichen Akt der Verhüllung.

Das Verfahren gegen Rupnik vor einem Sondergericht des vatikanischen Glaubensdikasteriums begann im Oktober 2025. Es findet unter vollständiger Geheimhaltung statt und kommt offenbar nur schleppend voran. Jüngst gab es Gerüchte, der Prozess gehe schon bald zu Ende – mit einem Freispruch für Rupnik. Das vatikanische Presseamt dementierte entsprechende Medienberichte als „absolut unbegründet“. Es bleibe aber dabei, dass während des Verfahrens keinerlei Informationen mitgeteilt würden. Es ist auch nicht bekannt, wer die fünf Männer und Frauen sind, die über den Fall entscheiden. Man weiß nur, dass sie nicht Angehörige der Kurie sind.

Auch über die Anklagepunkte sowie über den Fortgang und möglichen Ausgang des Verfahrens wurde nichts öffentlich. Das vatikanische Presseamt bestätigte lediglich, dass es bei der noch von Papst Franziskus im Oktober 2023 verfügten Aufhebung der Verjährungsfrist bleibe. Papst Leo äußerte sich bisher nur einmal zu dem Verfahren, Anfang November 2025 mit dem dürren Satz: „Ich weiß, dass es schwierig ist, von den Opfern Geduld zu verlangen, aber die Kirche muss die Rechte aller Menschen respektieren.“ Der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Fernández, stellte etwa zur gleichen Zeit – also vor inzwischen zehn Monaten – den Abschluss des Verfahrens bis Ende 2025 in Aussicht.

Erste Vorwürfe von Nonnen und Novizinnen gegen den Jesuitenpater Rupnik, der damals als geistlicher Berater der Loyola-Gemeinschaft in der slowenischen Hauptstadt Laibach (Ljubljana) tätig war, hatte es schon Anfang der Neunzigerjahre gegeben. 1993 verließ der ehrgeizige Künstler Slowenien und ging nach Rom, wo er das Centro Aletti für spirituell-künstlerisches Zusammenleben mitgründete und viele Jahre leitete.

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