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Ronzheimer unterwegs in Sachsen-Anhalt - So einen Wahlkampf habe ich noch nie erlebt

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Ronzheimer unterwegs in Sachsen-Anhalt - So einen Wahlkampf habe ich noch nie erlebt

Magdeburg – Es war eine Reise durch das Bundesland, über das plötzlich die ganze Welt spricht. In und zwischen Halberstadt, Stendal und Magdeburg habe ich Menschen getroffen, die mir ihre Meinung gesagt haben. Über die Wahl, die am nächsten Wochenende darüber entscheidet, ob in Deutschland zum ersten Mal nach Gründung der Bundesrepublik ein Bundesland von einer in Teilen rechtsextremen Partei regiert wird. Über den Bundeskanzler und die Parteien, die so viele in den vergangenen Jahren enttäuscht haben. Und darüber, was viele auf der einen Seite so wütend macht und zur AfD treibt, was wiederum andere so große Sorgen haben lässt, dass diese AfD alles verändern wird.

Meine wichtigste Erkenntnis: Mit einem Ost-West-Gefälle scheint das, was immer mehr Menschen zur AfD treibt, nur noch bedingt zu tun zu haben.

Natürlich, viele Sachsen-Anhalt er blicken positiver auf Russland und kritischer auf deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine. Und klar, der Strukturwandel, dem der Wegzug der Jungen und die Überalterung des Rests folgten, er hat massive Spuren in Sachsen-Anhalt hinterlassen. Aber die eigentlichen Themen, welche die Menschen hier bewegen, unterscheiden sich kaum von denen der Menschen, denen ich zuletzt in nordrhein-westfälischen oder baden-württembergischen Städten und Dörfern begegnet bin.

Am häufigsten schlug mir eine Variation der Aussage „Jetzt reicht es uns!“ entgegen. Es ist vor allem ein Dagegen, weniger ein Dafür. Der Frust über gebrochene Versprechen, über die wirtschaftliche Lage, die Migrationspolitik. Auch die innere Sicherheit wird immer wieder genannt. Manche Sachsen-Anhalter sagten mir, bei der letzten Wahl hätten sie noch CDU oder SPD gewählt, aber jetzt sei Schluss.

Erstaunlich wenig sprachen sie über die Landespolitik und Ministerpräsident Sven Schulze (47). Genauso wenig wie über dessen Herausforderer Ulrich Siegmund (35). Und das, obwohl sich die mediale Berichterstattung stark auf Siegmund konzentriert. In dieser wird er gerne als erfolgreicher Wahlkämpfer dargestellt, seine vielgesehenen und geteilten Social-Media-Auftritte werden analysiert.

Ich hatte erwartet, seinen Namen auf den Marktplätzen und Straßen viel häufiger zu hören. Dazu passen die aktuellen Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen. Die AfD liegt bei 40 Prozent, die CDU bei 23 Prozent. Fragt man aber nach dem gewünschten Ministerpräsidenten, nennen 48 Prozent der Befragten Sven Schulzes Namen – und nur 32 Prozent den von Ulrich Siegmund. 50 Prozent der Befragten wünschen sich eine Landesregierung unter CDU-, 35 Prozent eine unter AfD-Führung.

Eine wesentlich größere Rolle für die Wahlentscheidung der Menschen vor Ort spielt offenbar hingegen jemand, der seinen Amtssitz rund zwei Autostunden weiter östlich hat: Bundeskanzler Friedrich Merz (70). Sein Name fiel so häufig wie kein zweiter, wenn ich nach den Motiven jener fragte, die eher pro AfD eingestellt sind. Nur vereinzelt standen diese auf den Marktplätzen für Video-Interviews mit meinem Kamerateam zur Verfügung, die meisten hielten sich zurück – 40 Prozent in den Umfragen hin oder her.

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