Was die Wahlergebnisse für die Regierungsbildungen bedeuten
Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Was die Ergebnisse für die Regierungsbildungen bedeuten Stand: 22.09.2026 • 04:53 Uhr
Wer mit wem? Auf diese Frage kommt es nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin jetzt an. Wo ist die Ausgangslage am günstigsten? Und welche Knackpunkte gibt es zwischen den Parteien?
In Mecklenburg-Vorpommern scheint der Weg vorgezeichnet, in Berlin könnte es komplizierter werden: Nach der Doppelwahl stehen die Parteien vor Gesprächen zur Regierungsbildung. Fest steht bereits, dass keine der bisherigen Regierungskonstellationen weitermachen kann.
In Mecklenburg-Vorpommern hat die Koalition aus SPD und Linken ihre Mehrheit verloren. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) könnte allerdings weiterregieren, wenn mit den Grünen ein dritter Partner hinzukäme - was wahrscheinlich ist. Dass Schwesig selbst zu einem solchen Bündnis tendiert, machte sie heute in der SPD-Zentrale in Berlin deutlich: Am Abend würden die Parteigremien tagen, und sie werde vorschlagen, mit Linken und Grünen Gespräche zu führen. Die Grünen erklärten bereits ihre Bereitschaft, sich an einer rot-rot-grünen Regierung zu beteiligen.
Gewinner der Landtagswahl ist nach dem vorläufigen Ergebnis der Landeswahlleitung die AfD mit 38,2 Prozent der Stimmen. Auf Platz zwei folgt die SPD mit 35,5 Prozent. Zudem ziehen die Linke (6,5 Prozent) und die Grünen (5,7 Prozent) in den Landtag ein. Die CDU (4,9 Prozent) sowie das BSW (4,8 Prozent) scheitern knapp.
Die Ränder sind stärker, Schwesig im Aufwind, Feelgood-Sound bei der AfD - diese und weitere Lehren aus der Doppelwahl. mehr
Nach Ansicht von Jan Müller, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock, spricht einiges für ein Bündnis aus SPD, Linken und Grünen. "Man möchte annehmen, dass die Parteien in vielen Punkten nah beieinander sind", sagte er im Gespräch mit tagesschau24 . Vereinzelt gebe es Unterschiede - etwa der Klimaschutz sei bei der rot-roten Landesregierung "eine Leerstelle" gewesen.
Sehr aneinander geraten seien die Parteien bei der Aufarbeitung der Nord-Stream-2-Politik, wo sich die Grünen laut Müller profilieren konnten. "Da ist ein bisschen Porzellan zerschlagen worden." Die Frage der Ministeriumsverteilung und -zuschnitte werde das Interessante sein. "Eigentlich sollten sich diese drei Partner darüber im Klaren sein, was das jetzt für eine Situation ist und dass man da zusammenkommen muss", so Müller.
Nach Erhebungen von infratest dimap befürworten 53 Prozent der Wählenden eine Landesregierung unter Führung der SPD. Auch aus anderen Parteilagern gibt es dafür Zuspruch: Neben der eigenen SPD-Wählerschaft (96 Prozent) kommt dieser von Wählenden der Grünen (96 Prozent), Linken (91 Prozent) und CDU (68 Prozent). Nur AfD-Wählende (95 Prozent) und BSW-Wählende (35 Prozent) bevorzugen eine AfD-geführte Regierung.
Jenseits der möglichen rot-rot-grünen Koalition sitzt im Landtag nur noch der Wahlsieger AfD. Die Partei hat zwar die meisten Stimmen bekommen, aber allein keine Mehrheit. Weil keine der anderen im Landtag vertretenen Parteien mit ihr zusammenarbeiten will, bleibt der AfD nur die Opposition. Die Lage für die AfD bezeichnet Müller dennoch als "sehr komfortabel".
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