Experte fordert - Nachhilfepflicht bei Note 5
Berlin – Was in Hamburg erfolgreich läuft, soll auch für den Rest der Republik gelten: verpflichtende Nachhilfe für Schüler, die im Zeugnis eine 5 haben. Ties Rabe (65, SPD) hatte die Regelung als Hamburger Schulsenator (2011–2024) eingeführt. Jetzt fordert er in seinem Buch „Endlich mal anfangen“, das Projekt bundesweit zu übernehmen.
Rabe zu BILD über die zwei Förderstunden pro Woche auf Staatskosten: „Schon nach einem Jahr haben rund 50 Prozent der Schüler keine ‚5‘ mehr.“ Das klappe aber nur, „wenn keiner schwänzt“ – darum die Teilnahmepflicht. Er betont: „Der Nachhilfeunterricht läuft so lange, bis die schlechten Noten weg sind.“ Wenn nötig, auch über Jahre.
Rabe will auch den Unterricht selbst reformieren, berichtet die WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer). Konkret: jeden Tag 20 Minuten Lesetraining in der Schule, zwei Stunden Unterricht mehr pro Woche, anspruchsvollere Lehrmaterialien und Inhalte. Der SPD-Mann sagt zu BILD: „Weil Kinder und Jugendliche zu Hause immer weniger lernen, muss zum Ausgleich in der Schule mehr und intensiver gelernt werden.“ Beispiel Lesekompetenz: Jugendliche in Klasse 9 lägen im Lesen mehr als ein Schuljahr zurück, macht Rabe klar, sie „lesen wie früher in Klasse 8“. Er rechnet vor: „Mit zwei zusätzlichen Unterrichtsstunden pro Woche hätten Kinder in vier Schuljahren fast so viel Deutsch- und Mathe-Unterricht wie zurzeit in fünf Schuljahren.“ Die Kinder wären am Ende der Grundschulzeit also ein Jahr weiter als jetzt.
„Gut lesen lernt man nicht mit Comics, sondern mit richtigen Büchern“, betont der Ex-Politiker. „Auch Multiple-Choice-Aufgaben sind nur ein Einstieg.“ Kinder würden außerdem besser lernen, wenn sie längere Texte schreiben müssten. Der Experte warnt: „Unterforderung durch zu leichte Aufgaben und geringe Ansprüche ist einer der häufigsten Fehler im Unterricht und macht Kinder nicht klüger, sondern dümmer.“
Und die Kosten? Rabe rechnet vor, dass mehr Stunden am Vormittag die Nachmittagsbetreuung entlasten, denn so verkürze sich „die teure Betreuungszeit am Nachmittag beim geplanten Ganztagsausbau“. Insgesamt würden seine Reformvorschläge die Kosten „gerade einmal um rund vier Prozent“ erhöhen. Und: „20 Minuten Lesetraining pro Schultag oder intensiveres Üben im Unterricht kosten kein Geld, denn der Unterricht findet ohnehin statt.“
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