Mobilfunknetze übertrugen sensible Handydaten an Anrufer
Exklusiv Sicherheitslücke Mobilfunknetze übertrugen Handydaten an Anrufer Stand: 27.08.2026 • 08:16 Uhr
Eine BR -Recherche deckt eine Sicherheitslücke in Mobilfunknetzen auf: Bei Anrufen übermittelten die Netze sensible Gerätedaten. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass fremde Nachrichtendienste solche Informationen nutzen.
Bei Telefonanrufen in deutschen Mobilfunknetzen konnten Anrufer sensible Daten über das Smartphone ihres Gegenübers erhalten. Das zeigen Recherchen des Bayerischen Rundfunks . Es geht um Daten, die für Angreifer wertvoll sein können: die 15-stellige IMEI-Kennnummer und Angaben zu Smartphone-Modell und Betriebssystemversion. Die Netze übertrugen die Daten im Hintergrund, und das bereits bevor die angerufene Person das Gespräch annahm.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bewertet die entdeckte Sicherheitslücke auf Anfrage als "sicherheitsrelevant". Die Daten könnten kriminellen und staatlichen Cyberakteuren gezielte Angriffe erleichtern, etwa mit Spionagesoftware. "Aufgrund bereits erfolgter Cyberangriffe auf Mobilfunkgeräte durch staatliche Angreifer" gehe das BfV "nahezu sicher davon aus, dass fremde Nachrichtendienste entsprechende Informationen für ihre Zwecke nutzen".
Für die Recherche riefen BR -Reporter unter anderem den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter an, der im Auswärtigen Ausschuss sitzt. Dabei konnten sie die IMEI seines Smartphones auslesen, aus der sich das konkrete Gerätemodell ergibt. Kiesewetter sprach im Interview von einem gravierenden "Einfallstor für ausländische Nachrichtendienste". Er sei alarmiert, was seine Familie, sein Team und ihn betreffe. Es müsse geklärt werden, wer dafür verantwortlich sei und warum die Lücke nicht viel früher geschlossen wurde.
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Insgesamt untersuchte der BR bei mehr als 70 Testanrufen, welche Informationen beim Rufaufbau über das Netz an das Smartphone des Anrufers übermittelt werden. In den Netzen von Telekom und Telefónica (O2) gelangten dabei in mehreren Fällen IMEI-Nummern zum Anrufer. Bei Telekom und Vodafone wurden Smartphone-Modelle und Betriebssystemversionen offengelegt.
So ließ sich erkennen, ob wichtige Sicherheitsupdates installiert waren. Die Daten wurden nicht bei jedem Anruf übertragen, sondern offenbar nur in bestimmten Konstellationen.
Seit wann die Sicherheitslücke bestand, ist unklar. Der BR informierte Telekom, Vodafone und Telefónica Ende Juni über die Schwachstelle. Vodafone schrieb dem BR , das Unternehmen habe die Daten, die bei Anrufen übermittelt werden, "zusätzlich eingegrenzt". Die Telekom kündigte Mitte August gegenüber dem BR an, ihr Netz entsprechend anzupassen. Telefónica erklärte, technische Maßnahmen umgesetzt zu haben. Die Unternehmen betonten, internationale Branchenstandards einzuhalten.
Die dafür zuständige Mobilfunk-Standardisierungsorganisation 3GPP erklärte dem BR hingegen, die Spezifikationen sähen bei gewöhnlichen Anrufen keine Weitergabe der IMEI an die andere Gesprächsseite vor.
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