News: Friedrich Merz im Hürtgenwald, Alexander Dobrindt, Jens Plötner, Wehrressort, Caroline Wahl plaudert über Geld
Es kommt nicht oft vor, dass nach einem langen Urlaub der erste berufliche Termin auf einen Samstag fällt. Die meisten Menschen wissen das letzte Ferienwochenende gut zu nutzen: Einmal noch an den See fahren, endlich mal dieses komplizierte Rezept nachkochen. Den Kanzler aber drängt es offenbar zurück an die Arbeit.
Die plötzliche Aktivität könnte damit zusammenhängen, dass Merz nach seiner gut dreiwöchigen, hoffentlich erholsamen Auszeit den Eindruck widerlegen möchte, ihm seien die Pflichten des Kanzlerdaseins bereits lästig geworden. Dass er sich wochenlang nicht blicken ließ, obwohl der Leipziger Flughafen in dieser Zeit nur knapp einem Anschlag entging und die Dürre Industrie und Landwirten hierzulande schwer zusetzte, gab jedenfalls Anlass zu Spekulationen (mehr hier ).
Nun ist der Kanzler zurück. Er besucht heute Nachmittag Hürtgenwald in der Eifel – einen Tag, nachdem der Waldbrand dort endlich gelöscht ist. Merz möchte sich über die Lage vor Ort informieren und den Helfern danken.
Als der Kanzler bei seiner Sommerpressekonferenz Mitte Juli auf die Hitze und deren Opfer angesprochen wurde, sagte er, er werde, »wenn sich diese Wetterentwicklungen fortsetzen, die Lage weiter beobachten und dazu gegebenenfalls auch öffentlich etwas sagen«. Was er dann doch nicht tat. Heute hat Merz Gelegenheit dazu.
Alexander Dobrindt wollte einst ein Politiker sein, der Klartext spricht und die Dinge beim Namen nennt. Vor 16 Jahren, als er noch CSU-Generalsekretär war, beschimpfte er die damaligen Koalitionspartner von der FDP als »Gurkentruppe« und nannte die Grünen eine »Protestsekte«. Damals haute der Bayer gern mal einen raus. Heute ist das anders.
Als Bundesinnenminister muss Dobrindt seine Worte wägen. Er tut das auf eine so vorsichtige, umständliche Art und Weise, dass es fast komisch wirkt.
Nachdem am Freitagvormittag NDR, WDR und »Süddeutsche Zeitung« über ein im vergangenen Jahr entdecktes Waffendepot in einem Wald nahe Berlin berichtet hatten, trat Dobrindt für ein Statement vor die Kameras. Er sprach in langen, komplizierten Sätzen, die kaschieren sollten, dass er am liebsten nichts gesagt hätte. Schon gar nicht darüber, wer die zwei Pistolen mit Munition dort versteckt haben könnte. Nur so viel: »Fremde Mächte« könnten es gewesen sein.
»Fremde Mächte« – davon sprach Dobrindt bereits, als er vor rund zwei Wochen nach den Auftraggebern des versuchten Drohnenanschlags auf ein ukrainisches Frachtflugzeug in Leipzig gefragt wurde (mehr hier ).
Wie bei der Sprengstoffdrohne deutet auch beim Waffenfund nahe Berlin einiges auf Moskau als Drahtzieher hin. Schon zu Zeiten des Kalten Krieges unterhielt die Sowjetunion geheime Waffenlager in Westeuropa, auf die ihre Agenten bei Bedarf zugreifen konnten. Auch das bei Berlin gefundene Depot war womöglich für einen Anschlag vorgesehen. Dobrindt aber erwähnt das R-Wort kein einziges Mal, nicht einmal als Mutmaßung.
Der einstige Haudrauf lässt heute lieber Vorsicht walten. Zu groß ist offenbar die Sorge davor, den Konflikt mit Russland anzuheizen. Das Problem: Moskau dürfte die deutsche Zurückhaltung als Schwäche deuten. Seine eigenen Ambitionen verhehlt es keineswegs.
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