„Pillewizer“ verschwindet von Landkarte - Alpenverein räumt Nazi-Gipfel ab
Salzburg – Ein Berg verliert seinen Namen, seine Gipfel-Tafel und sogar einige Höhenmeter! In den österreichischen Alpen wurde eine umstrittene Ehrung aus der NS-Zeit rückgängig gemacht. Der bislang als „Pillewizer“ bekannte Punkt in der Gebirgsgruppe Hohe Tauern trägt seinen Namen nicht mehr. Vor wenigen Tagen entfernten Mitarbeiter des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) die Gedenktafel mit Namen und Höhenangabe.
Der Gipfel war 1988 nach dem Kartographen und Gletscherforscher Wolfgang Pillewizer (1911 bis 1999) benannt worden. Nach Recherchen des Alpenvereins war Pillewizer jedoch bereits 1932 Mitglied der NSDAP und später sogar Truppenführer in der SA. Der ÖAV geht davon aus, dass der Forscher „an der Umsetzung der menschenverachtenden, rassistischen Ideologie des NS-Regimes“ beteiligt war. Doch damit nicht genug: Der Alpenverein strich nicht nur den Namen des Nazi-Gipfels, sondern nahm ihm gleich auch einige Höhenmeter.
Die Vereinsvertreter räumten mehrere Steine weg, die Anhänger Pillewizers 1988 auf dem Felskopf platziert hatten. Ziel war damals offenbar, den rund 2999 Meter hohen Punkt künstlich zum Dreitausender aufzuwerten. Seither wurde die Erhebung in Karten und Wanderführern als Gipfel über der magischen 3000-Meter-Marke geführt. Mit dem Abtragen der Steine verlor der Berg nun symbolisch auch seinen Status als Dreitausender. Die nunmehr namenlose Erhebung liegt auf einem Berggrat nördlich des Großvenedigers (3657 Meter), einem der bekanntesten Berge Österreichs. Im Alpenverein stimmten alle dafür, dem Gipfel den Namen zu entziehen. ÖAV-Sprecherin Anita Bitterlich: „Es sind nur positive Rückmeldungen gekommen.“
In den sozialen Netzwerken sorgte die Entscheidung allerdings für Streit. Während zahlreiche Nutzer die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit begrüßten, kritisierten andere den Schritt als übertrieben. Einen neuen Namen soll der Alpen -Gipfel vorerst nicht erhalten. Ganz verschwunden ist Pillewizer von den Landkarten allerdings nicht: Auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen tragen nach Angaben des Norwegischen Polarinstituts weiterhin drei geografische Orte seinen Namen.
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