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Nordfriesland: Um fit zu bleiben, setzen Erika (97) und ihre 4 Geschwister auf kalte Duschen, frisches Gemüse und Bewegung

Focus Online Gesundheit ·
Nordfriesland: Um fit zu bleiben, setzen Erika (97) und ihre 4 Geschwister auf kalte Duschen, frisches Gemüse und Bewegung

„Erst mal einen?“ Erika Rossow bietet ein Gläschen Likör an. Das gehöre schließlich zu einem ordentlichen Nachmittag. Dann kommen Ananastorte und selbst gebackene Kekse auf den Tisch. Gekaufter Kuchen? Nicht bei diesen fünf.

Erika ist mit 97 Jahren die Älteste. Es folgen Emma (96), Inge (94), Broder (92) und „Nesthäkchen“ Karin (84). Zusammen bringen sie es auf 463 Lebensjahre. Und auf Geschichten, für die ein Nachmittag kaum reicht. Alle vier Wochen treffen sich die Geschwister reihum. Pünktlich um 14 Uhr.

„4K“ nennen sie das Zusammentreffen: kommen, klönen (quatschen), Kaffee trinken, Karten spielen. Gespielt wird Doppelkopf, und gelacht wird viel. Dabei sind ihre Erinnerungen keineswegs nur heiter.

Woher kommt die erstaunliche Energie der Geschwister? Broder setzt auf Gemüse aus dem eigenen Garten, Müsli, Früchte und Joghurt. Inge duscht morgens kalt. Emma geht stramm durch den Ort. Sie werkeln im Garten oder sind mit dem Fahrrad unterwegs. In einem sind sie sich einig: Man muss in Bewegung bleiben – körperlich und im Kopf.

Und vielleicht gehört auch „4K“ zum Geheimnis ihres hohen Alters . Denn kaum etwas scheint die fünf so jung zu halten wie diese Nachmittage miteinander.

Aufgewachsen sind die fünf in Achtrup im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein . Die Eltern betrieben eine Landwirtschaft mit rund 24 Hektar, eine Viehwaage und eine kleine Gastwirtschaft. Schon vor der Schule mussten die Kinder Kühe melken, die Gaststube säubern oder in der Küche helfen. Geduscht wurde nicht. So kam es vor, dass die Mädchen mit langen Zöpfen in der Schule saßen, die noch deutlich nach Stall rochen.

Inge erinnert sich besonders gern an eine eigensinnige Kuh. Die Tiere mussten rund eineinhalb Kilometer zur Weide gebracht werden. Diese Kuh machte sich gern allein auf den Heimweg. Zwei Maurergesellen fingen sie ab und hängten ihr ein Schild um: „Ich suche Inge.“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Später trottete die Kuh mit einem neuen Schild zurück: „Ich habe Inge gefunden.“

Nach dem Krieg kamen viele Vertriebene ins Dorf. Im Haus war ohnehin kaum Platz. Als der Bürgermeister dringend Schlafmöglichkeiten suchte, ließ die Mutter kurzerhand Stroh in der Stube verteilen. Selbst eine Familie mit neugeborenen Zwillingen fand dort Unterschlupf. „Wir hatten doch alle nichts“, erinnert sich Emma. Gerade deshalb habe man geteilt.

Die Mutter ist in ihren Erzählungen bis heute allgegenwärtig: kochen, nähen, stricken, Kinder versorgen, Gäste bewirten. Wer in der Gastwirtschaft einen Schnaps zu viel erwischt hatte, bekam von ihr vor dem Heimweg erst einmal ein paar Brote geschmiert.

Beim Vater dagegen, Händler von Beruf, sind sich die Geschwister schnell einig. Praktisch veranlagt sei er nicht gerade gewesen. „Der hatte zwei linke Hände“, heißt es lachend in der Runde. Dafür konnte er Menschen unterhalten. Während die Mutter arbeitete, kochte und die Familie zusammenhielt, sei er derjenige gewesen, der am Stammtisch für Geselligkeit sorgte.

Auch die heute 97-jährige Erika packte ihr Leben lang an. Mit 17 setzte sie bei ihrem Vater durch, ein Semester lang die Kunst- und Gewerbeschule in Flensburg besuchen zu dürfen.

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