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Trittin geht Merz und Reiche an: "Wir erleben palliative Industriepolitik"

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Trittin geht Merz und Reiche an: "Wir erleben palliative Industriepolitik"

Der Emissionshandel ist neben dem Atomausstieg und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz die dritte Säule der Energiewende. Die Industrie rüttelt daran. Darüber kann Jürgen Trittin nur schmunzeln. Der Grünen-Politiker hat das System als Bundesumweltminister vor gut 20 Jahren eingeführt: "Wie ernst kann man eine Lobby nehmen, die heute bekämpft, was sie früher gefordert hat?", fragt er im Interview. Die Probleme der Wirtschaft haben ihm zufolge eine andere Ursache: Deutschland zaudert. "Es gibt in SPD und CDU die Neigung, zu glauben, dass Veränderung besser gelingt, wenn man sie verzögert", sagt Trittin. "Je länger die Transformation andauert, umso länger zahlen wir doppelt. Wir leisten Sterbehilfe für fossile Kraftwerke." Das ist ihm zufolge beim Kanzler bisher nicht angekommen. Der frühere Minister ist überzeugt: Macht Friedrich Merz weiter wie bisher, hat er Industrie-Urgesteine wie Heidelberg Materials und Wacker Chemie auf dem Gewissen.

ntv.de: Der Atomausstieg, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und der Emissionshandel sind die drei Säulen der Energiewende. An keinem Konzept wurde in den vergangenen Monaten so sehr gerüttelt wie von der Industrie am Emissionshandel .

Jürgen Trittin: Ich kann inzwischen über die Beschwerden der Industrie nur noch schmunzeln. Wie ernst kann man eine Lobby nehmen, die heute bekämpft, was sie früher gefordert hat?

Das ist immer so, aber der Emissionshandel war von großen Teilen der Wirtschaft so gewollt. Die Industrie hat Klaus Töpfer , Umweltminister unter Helmut Kohl, gesagt: Lassen Sie uns marktwirtschaftlich gegen Emissionen vorgehen. Der Emissionshandel ist das richtige Instrument. Der Markt regelt das. Das sagt die FDP noch heute. Also haben wir das gemacht. Die FDP hat sich damals im Bundestag enthalten, die CDU dagegen gestimmt. Die Grünen und die SPD waren offensichtlich die einzigen Parteien für Marktwirtschaft, obwohl die SPD und deren Wirtschaftsminister Clement auch nicht begeistert waren.

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