Krieg gegen die Ukraine: Urlaub unter Beschuss an Russlands Küste
Weltspiegel Krieg gegen die Ukraine Urlaub unter Beschuss an Russlands Stränden Stand: 23.08.2026 • 09:02 Uhr
Es ist Sommer, und die Menschen in Russland zieht es an die Strände der Schwarzmeerküste. Doch dort gibt es zunehmend Luftalarm - und so zeigt sich der Krieg gegen die Ukraine den Russen auch im Urlaub.
Der Wind bläst heftig über den Badestrand von Noworossijsk, einer Hafenstadt im Norden der russischen Schwarzmeerküste. Einige schlendern auf der Uferpromenade, andere sonnen sich in einer windgeschützten Ecke am Kiesstrand.
Doch dann gibt es Luftalarm, mitten am Tag. Meeresrauschen mit heulender Sirene - so hört sich dieser Sommer hier an.
Strandwächter Artur packt sein Megafon und ruft die Badegäste freundlich dazu auf, den Strand zu verlassen. "Ich opfere mich gewissermaßen auf, um den Strand zu evakuieren", erzählt er stolz. Dieses Jahr sei sein Job härter denn je.
Vor allem, weil manche ihren Sonnenplatz am Meer partout nicht aufgeben wollen und einfach sitzen bleiben. Wie die Rentnerin Ljudmilla mit ihrer Freundin: Die beiden teilen sich ein Handtuch und plaudern trotz Alarm weiter. Ljudmilla ist genervt: "Warum dieses ganze Getue, wenn doch nichts zu sehen ist? Die terrorisieren die Leute damit einfach nur."
Die russische Schwarzmeerküste und ein Teil der ukrainischen Schwarzmeerküste. Die von Russland besetzten Gebiete der Ukraine sind schraffiert dargestellt.
Doch die Gefahr ist durchaus real: In der Nacht auf den 12. August griff die Ukraine den Hafen von Noworossijsk massiv an. Dort liegt ein russischer Marinestützpunkt. Er ist zugleich Russlands wichtigster Umschlagplatz für den Außenhandel, für Öl, Getreide und Containerfracht.
Bei dem Großangriff wurde aber nicht nur das Hafengelände getroffen. Auch Wohnhäuser in der Nähe wurden beschädigt, es gab Tote und Verletzte.
Natascha wohnt nicht weit vom Hafen entfernt, mit ihrer alten Mutter sitzt sie gerade entspannt im Vorgarten. Die Angriffsnacht aber könne sie nicht vergessen, sagt sie: "Es war sehr beängstigend." Die ganze Stadt habe nicht geschlafen. Nataschas Familie lebt schon seit Jahrzehnten hier. Ihre Mutter erzählt, wie deutsche Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Gegend eingeschlagen sind. Wie sie rauschten und pfiffen. Und jetzt wieder: "Wir dachten, der Krieg sei vorbei."
Aber in der Nacht zum 12. August habe es so starke Explosionen gegeben. Sie und ihr Urenkel hätte vor lauter Angst nicht schlafen können. Der Krieg ist nun auch vor ihrer eigenen Haustür angekommen, am Sommerurlaub-Hotspot Russlands. Und Natascha befürchtet: "Ich denke, das war erst der Anfang."
Betroffen sind nicht nur militärische Ziele - auch zivile Infrastruktur gerät zunehmend unter Beschuss. mehr
Die Angriffe der Ukraine treffen aber vor allem die russische Wirtschaft. Der Hafen von Noworossijsk ist Russlands wichtigster Umschlagplatz für den Außenhandel. Doch seit Tagen steht hier nun alles still.
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