Das Sumoringer-Paradoxon - Warum dick nicht gleich ungesund ist
160 Kilo, bis zu 10.000 Kalorien am Tag, kaum Diabetes: Aktive Sumoringer widerlegen scheinbar vieles, was wir über Fettleibigkeit wissen. Genau darin liegt das Sumoringer-Paradoxon.
Trotz eines durchschnittlichen BMI von über 47 bleiben viele Ringer während ihrer Karriere vor Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herzinfarkten verschont . Der entscheidende Unterschied liegt offenbar nicht allein im Körpergewicht, sondern im Ort der Fetteinlagerung. Bei vielen übergewichtigen Menschen sammelt sich Fett tief im Bauchraum an. Dieses viszerale Fett umschließt Organe, fördert Entzündungen und erhöht langfristig das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf -Erkrankungen.
Bei Sumoringern lagert sich der Großteil des Fetts dagegen unter der Haut ab. Dadurch bleiben wichtige Blutwerte oft erstaunlich stabil. Triglyceride, die bei starker viszeraler Verfettung meist erhöht sind, liegen häufig im Normalbereich. Auch das schützende HDL-Cholesterin gerät weniger stark aus dem Gleichgewicht.
Hinzu kommt ein Trainingspensum, das weit über das hinausgeht, was selbst ambitionierte Hobbysportler leisten. Die Ringer trainieren täglich stundenlang auf nüchternem Magen und verfügen über enorme Muskelmasse. Beides gilt als möglicher Grund für ihre hohe Insulinsensitivität und dafür, dass sich vergleichsweise wenig Organfett einlagert.
Das Paradoxon bedeutet jedoch nicht, dass starkes Übergewicht harmlos ist. Vielmehr zeigt es, dass das Körpergewicht allein wenig über die Stoffwechselgesundheit verrät. Entscheidend sind auch körperliche Aktivität, Muskelmasse und die Verteilung des Körperfetts.
Für alle anderen heißt das vor allem: Wer regelmäßig trainiert , Muskulatur aufbaut und viszerales Fett reduziert, kann seine Stoffwechselwerte verbessern, selbst wenn das Körpergewicht nicht sofort stark sinkt.
Die Grenzen dieses Effekts zeigen die Sumoringer selbst. Nach dem Karriereende steigt ihr Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich an. Zudem liegt ihre durchschnittliche Lebenserwartung mit rund 65 Jahren mehr als zehn Jahre unter der der japanischen Gesamtbevölkerung. Das Paradoxon erklärt also nicht, warum extremes Übergewicht ungefährlich wäre, sondern welche Rolle Fitness und Fettverteilung für die Gesundheit spielen.
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