Hitze: Karl Lauterbach geht von mehr Hitzetoten aus
Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet mit einer höheren Zahl an Menschen, die infolge von Hitze gestorben sind, als bisher angegeben. Das Robert Koch-Institut ( RKI ) nutze eine eher konservative Methodik, sagte er der Rheinischen Post . »Das heißt, dass die Zahl der Hitzetoten eher unterschätzt wird.« Gleichzeitig verteidigte er diesen Ansatz: Die Schätzung des Robert Koch-Instituts sei »gut vertretbar, denn die relativen Veränderungen lassen sich so trotzdem gut abbilden«.
Generell seien hitzebedingte Todesfälle methodisch nicht ohne Weiteres zu erfassen, sagte der SPD‑Politiker. »Die wenigsten Menschen sterben bei Hitze an einem klassischen Hitzschlag.« Eine hohe Hitzebelastung könne beispielsweise dazu beitragen, dass aus einem bestehenden Vorhofflimmern ein Schlaganfall entsteht. Ohne die Hitze wäre es dann möglicherweise nicht dazu gekommen, sagte der Mediziner.
Das RKI meldete vorige Woche einen weiteren Anstieg der Zahl der Hitzetoten . Demnach starben im Zeitraum vom 6. April bis 2. August 12.500 Personen im Zusammenhang mit Hitze. Zuvor hatte das RKI die Zahl der hitzebedingten Todesfälle auf 11.900 geschätzt. Laut RKI starben 9.600 der 12.500 Menschen in der besonders heißen 26. Kalenderwoche zwischen dem 22. und dem 28. Juni. In der Woche hatte es Rekordtemperaturen von mancherorts mehr als 41 Grad Celsius gegeben.
2026 ist dem RKI zufolge mit Blick auf hitzebedingte Sterbefälle ein Rekordjahr. Die bislang höchste Zahl an Hitzetoten wurde 2018 registriert. Nach neuesten RKI-Angaben starben im Jahr 2018 9.400 Menschen hitzebedingt. Da das Modell des RKI jeden Monat weiterentwickelt wird, können Zahlen im Vergleich zu früheren RKI-Angaben variieren.
Um künftig einen besseren Hitzeschutz zu erreichen, sprach sich Lauterbach wie seine Partei für eine Änderung des Grundgesetzes aus. Wirksamer Hitzeschutz koste viel Geld, sagte er. Deshalb halte er den Vorstoß von Bundesumweltminister Carsten Schneider ( SPD ) für richtig, über eine Grundgesetzänderung nachzudenken. Viele Kommunen seien verschuldet und könnten nötige Maßnahmen nicht aus eigener Kraft finanzieren, sagte Lauterbach. An CDU und CSU appellierte er, den Weg für eine Änderung des Grundgesetzes freizumachen.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann lehnte das Vorhaben ihres Koalitionspartners ab . Der Vorschlag des Umweltministers sei »wohlfeil«, hatte Hoppermann der Rheinischen Post gesagt .
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