Wagenknecht vs. Siegmund - Nah-Duell von AfD und BSW auf Dessauer Marktplatz
Dessau-Roßlau – Plötzlich sind sich AfD und BSW ganz nah: Auf dem Marktplatz in Dessau gehen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) und BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57) auf Tuchfühlung – keine 100 Meter voneinander entfernt halten beide getrennt ihre Wahlkampfveranstaltungen.
Um 15:59 Uhr betritt Siegmund den Platz, die Menschen rufen „Uli, Uli“. Der AfD -Spitzenkandidat lächelt, winkt in die Menge. Eine kleine Männergruppe stimmt an: „Ost! Ost! Ostdeutschland!“ Er hält keine Rede, wie üblich macht er eine Autogramm- und Fotostunde. Unter einem blau-weißen AfD-Baldachin empfängt er seine Anhänger an einem Stehtisch.
Viele sind sichtlich aufgeregt, treffen Siegmund zum ersten Mal. Er begrüßt jeden Anhänger mit Handschlag, sagt mit einem Lächeln: „Hi, ich bin Uli.“ Dann kurzer Smalltalk („Wo kommst du her?“) und die Frage, für wen er eine Widmung schreiben soll („Für Norman?“). Siegmund signiert die letzte „Spiegel“-Ausgabe, Handyhüllen, T-Shirts. Er schießt hunderte Fotos mit seinen Anhängern bei dieser Veranstaltung.
Auch Ivonne Koch (41) und ihre Schwägerin Verena Koch (34) sind da. Sie wollen Siegmund wählen, weil er „Politik für Familien“ mache. Keine Kita-Gebühren, kostenloses Schulessen: Siegmund ist für sie „ein Mann des Volkes“.
Christian Leist (66) ist auch zum AfD-Wahlkampfstand gekommen – um für das BSW Wahlwerbung zu machen. Viele AfD-Anhänger begegneten ihm offen, sie „versuchen sich fachlich mit mir auseinanderzusetzen“, so Leist. An der Basis kommen AfD- und BSW-Anhänger offenbar ins Gespräch.
Doch wird Siegmund die wenigen Meter zu Wagenknecht hinübergehen und mit ihr sprechen? „Nee, ich bin für die Bürger da“, sagt er BILD. Außerdem sehe man doch in Thüringen, wohin das mit dem BSW führe. Dort zerlegt sich das BSW in einem Grundsatzstreit, ob es die dortige Landesregierung mitträgt oder die Koalition verlässt. Siegmund möchte in Sachsen-Anhalt nur mit absoluter Mehrheit regieren. Eine Tolerierung durch das BSW will er nicht – obwohl das BSW dies nicht ausschließt.
17:06 Uhr: Auftritt BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57). Sie fährt in einer schwarzen Audi-Limousine auf den Marktplatz, geht hinter die für sie aufgebaute Bühne. Auf die Frage, ob sie ein Problem mit einer Zusammenarbeit mit der in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuften AfD habe, reagiert sie gelassen. „Es geht nicht darum, ob ich die AfD gut finde, es geht darum, dass offenbar über 40 Prozent der Wähler die AfD gut finden“, sagt sie BILD. Die Partei auszugrenzen sei „undemokratisch“.
Wortwörtlich will sie Ulrich Siegmund aber nicht die Hand reichen. Sie habe ihn noch nicht persönlich getroffen, doch: „Es ist nicht mein Ding, zum AfD-Infostand zu gehen.“ In ihrer Rede sagt Wagenknecht offen, worum es ihr geht: Bundespolitik. „Wenn Herr Schulze nicht wieder im Amt ist, dann haben wir auch die Chance, diese unbeliebte Bundesregierung zu stoppen.“ Und sie kritisiert auch Siegmund. Weil er nur mit absoluter Mehrheit regieren wolle, werde er „dem CDU-Mann das Amt überlassen“.
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