Ex-Kanzlerin reingelegt - Russen-Trolle fragten Merkel nach ihrer Rente
Wie schon andere Spitzenpolitiker ist auch die frühere Bundeskanzlerin auf zwei russische Trolle hereingefallen. Wie jetzt bekannt wurde, linkten die kremlnahen Wowan und Lexus Merkel mit einem Fake-Telefonat.
Die beiden Prankster ließen Merkel in dem inszenierten Gespräch glauben, sie spreche mit dem früheren ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, dem Vorgänger des jetzigen Staatsoberhauptes Wolodymyr Selenskyj .
Die beiden Interviewer veröffentlichten am Montag Auszüge aus dem Gespräch. Merkels Büro in Berlin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass es ein Telefongespräch gab. Eine Sprecherin erklärte: „Ich kann ein Telefonat mit einem Anrufer bestätigen, der sich als der frühere Präsident Petro Poroschenko ausgegeben hatte.“
In den veröffentlichten Ausschnitten verrät Merkel keine Geheimnisse und spricht sich wie schon zuvor für eine Geschlossenheit des Westens im Konflikt mit Russland aus. Sie betont auch, dass der Inhalt des Telefonats nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei.
Merkel in dem Fake-Telefonat wörtlich: „Ansonsten ist mein Plädoyer, dass wir unseren Regierungen vertrauen. Nur sie machen die Politik.“ Damit erinnerte sie den vermeintlichen Poroschenko auch daran, dass er die Wahl 2019 gegen den jetzigen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verloren hatte. „Wenn man nicht gewählt ist, muss man sich in solchen schwierigen Zeiten möglichst zurückhalten.“
Zum Schluss erklärt Merkel, dass sie ihrem Gesprächspartner „von Herzen alles Gute“ wünsche. Klar wird am Ende, dass Merkel einzelne Fragen unangenehm sind – etwa nach ihrer Rente, die sie nicht beantwortet.
Auf die Frage, ob sie nicht auch Russisch sprechen könne, antwortete sie: „Mein Russisch ist noch schlechter als 2014.“ Merkel hatte damals mit Poroschenko, Frankreichs Präsident François Hollande und Kremlchef Wladimir Putin die Minsker Vereinbarungen für eine Beilegung des Konflikts in der Ukraine unterschrieben.
Die beiden Russen mit den Künstlernamen Wowan und Lexus hatten schon mehrfach Prominente hereingelegt, indem sie sich mit falschem Namen ausgaben. In einer Stellungnahme von Merkels Büro hieß es: „Das Telefonat fand am 12. Januar 2023 statt, unterstützt mit deutsch-ukrainischer Übersetzung des Sprachendienstes des Auswärtigen Amtes. Die Bundeskanzlerin a.D. informierte das Auswärtige Amt anschließend über den Eindruck, den sie von dem Anrufer während des Telefonats gewonnen hatte.“
Merkel hatte in ihrer Amtszeit häufig mit Poroschenko zu tun. Der heute 57-Jährige war von 2014 bis 2019 im Amt.
Die beiden Kreml-Komiker sorgten nach dem Beginn des russischen Einmarschs für Wirbel in mehreren europäischen Hauptstädten. Im Sommer 2022 gingen mehrere Politiker einem angeblichen Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko auf den Leim.
U.a. wurde die (noch) amtierende Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (44, SPD) verschaukelt, wurde aber während des Gesprächs misstrauisch und brach das Telefonat ab. Auch das Madrider Stadtoberhaupt José Luis Martinez-Almeida hatte nach dem Anruf des Fake-Klitschko Verdacht geschöpft und aufgelegt.
Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig dagegen berichtete danach ausführlich von seinem Gespräch.
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