Analyse: Warum die SPD in Mecklenburg-Vorpommern hinter der AfD liegt
Analyse Wahl in Mecklenburg-Vorpommern Warum "Frau" knapp hinter "Blau" liegt Stand: 20.09.2026 • 22:21 Uhr
Warum gelang Ministerpräsidentin Schwesig mit dem Slogan "Frau gegen Blau" eine Aufholjagd? Warum lag die AfD trotzdem vorne? Umfragen von infratest dimap liefern dazu ebenso Erklärungen wie ein Detail, das die CDU alarmieren muss.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern haben viele Wählerinnen und Wähler die Landtagswahl genutzt, um der Bundesregierung einen Denkzetteln zu verpassen. Das hat der AfD genutzt, der CDU massiv geschadet - und ist an der SPD ziemlich spurlos vorübergegangen.
Die Sozialdemokraten haben das vor allem Manuela Schwesig zu verdanken, was eine Umfrage besonders deutlich macht: Fast die Hälfte der SPD-Wählenden sagt, ohne Schwesig würden sie die SPD nicht wählen. Und die Hälfte der SPD-Wählenden nennt die Spitzenkandidatin als wichtigsten Grund, das Kreuz bei den Sozialdemokraten zu machen.
Die amtierende Ministerpräsidentin hatte sich bewusst von der Bundespolitik abgesetzt und viele Reformvorhaben kritisiert. Vor allem die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Dass sie wegfallen soll, ist zentraler Bestandteil des Rentenpakets , ohne den nach Lesart der Bundesregierung die gesamte Reform nicht umsetzbar sei.
Doch die Menschen im Land sehen das extrem kritisch. Drei Viertel der Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern sagen, die abschlagsfreie Rente solle beibehalten werden. Und ähnlich viele finden es gut, dass Schwesig sich immer wieder offen gegen die Reformen der Bundesregierung stellt. Es bleibt das Paradoxon, dass die Bundesregierung gerade deshalb kritisiert, weil sie mit den Reformen nicht vorankommt.
Schwesig kommt aber noch ein zweiter Faktor zugute: Sie hat einen klaren Amtsbonus und kommt auch außerhalb des eigenen Lagers gut an. Die Arbeit der von ihr geführten rot-roten Landesregierung wird von etwa der Hälfte der Menschen positiv bewertet - was im Vergleich zu anderen Bundesländern ein guter Wert ist. 61 Prozent der Menschen im Land sind mit Schwesig selbst zufrieden. Auch von den CDU-Anhängern sind es die Hälfte, bei den AfD-Anhängern immerhin noch 18 Prozent.
Schwesig liegt damit weit vor den Spitzenkandidaten der anderen Parteien. Leif-Erik Holm, den die AfD als ihren Herausforderer ins Rennen geschickt hat, kommt nur auf 28 Prozent und wäre gegen Schwesig chancenlos, wenn die Wahlberechtigten direkt entscheiden könnten, wer Ministerpräsidentin oder Ministerpräsident wird.
Schwesig hatte im Endspurt des Wahlkampfs vor allem auf Wählerinnen und Wähler gesetzt, die unbedingt verhindern wollen, dass die AfD stärkste Kraft wird. "Frau gegen Blau" lautetet der entsprechende Slogan. Damit ist es ihr gelungen, fast zur AfD aufzuschließen. Überholen konnte sie die AfD aber nicht.
Der Blick auf die erste Wählerwanderung liefert Hinweise, warum es für die SPD nicht für mehr gereicht hat: Mit der Anti-AfD-Kampagne hat sie in erster Linie Wählerinnen und Wähler von CDU und Linken abgezogen, aber dennoch viele an die AfD verloren.
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