„Last Soul Ultra” in Fürstenau: Muskelzerfall, Nierenversagen und Hirnödem können auf den 400-Kilometer-Lauf folgen
6,706 Kilometer laufen, kurze Pause; und zur nächsten vollen Stunde wieder an den Start. Beim „ Last Soul Ultra“ wird dieses Prinzip so lange wiederholt, bis nur noch ein Teilnehmer übrig ist.
Nach mehreren Tagen kommen dabei Distanzen zusammen, die weit über einen klassischen Marathon oder selbst viele Ultramarathons hinausgehen. Sportlich ist das eine außergewöhnliche Leistung. Medizinisch bedeutet es jedoch eine extreme Belastung für den gesamten Organismus.
PD Dr. med. Daniel P. Berthold ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie ärztlicher Leiter des OrthoCenter München . Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle .
Bei einem solchen Lauf ist nicht nur das Herz gefordert. Muskulatur, Sehnen und Gelenke, Knochen, Nieren, Magen-Darm-System und Nervensystem müssen über mehrere Tage funktionieren. Machbar ist deshalb nicht automatisch gesund.
Gut trainierte Ultraläufer können ihren Körper über erstaunlich lange Zeit belasten. Doch mit jeder weiteren Runde summiert sich die Ermüdung. Irgendwann reichen die kurzen Pausen zwischen den Runden nicht mehr aus, um die Belastung ausreichend zu kompensieren.
Bei mehr als 400 Kilometern wiederholt der Körper dieselbe Laufbewegung hunderttausendfach. Muskeln, Sehnen, Gelenke und Knochen bekommen dadurch kaum eine echte Erholungspause. Es entstehen kleinste Schädigungen im Muskelgewebe , während besonders Knie, Sprunggelenke, Achillessehnen und Füße permanent gefordert werden.
Auch eine flache Strecke schützt davor nicht. Bei solchen Distanzen wird allein die enorme Zahl der Wiederholungen zur Belastung. Parallel muss der Körper über mehrere Tage seinen enormen Energiebedarf decken.
Zu Beginn greift er verstärkt auf Kohlenhydratspeicher zurück, mit zunehmender Dauer gewinnt die Fettverbrennung an Bedeutung. Gleichzeitig müssen die Athleten kontinuierlich ausreichend Energie und Flüssigkeit aufnehmen. Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können dazu führen, dass genau das irgendwann nicht mehr gelingt.
Ein entscheidender Faktor bei diesem Rennformat ist der Schlafentzug . Nach zwei oder drei Nächten ohne ausreichenden Schlaf können Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit und Urteilsvermögen deutlich nachlassen. Das ist nicht nur ein Problem für die sportliche Leistung.
Mit zunehmendem Schlafentzug können Athleten auch körperliche Warnsignale schlechter einschätzen oder ignorieren. Genau das wird bei einem Wettkampf kritisch, dessen Prinzip darin besteht, trotz immer größerer Erschöpfung noch eine weitere Runde zu laufen. Ein medizinisch notwendiger Abbruch sollte deshalb niemals als sportliches Versagen verstanden werden.
Bei einem extremen Ausdauerlauf denkt man zunächst an die Gefahr, zu wenig zu trinken. Doch auch das Gegenteil kann problematisch werden. Trinken Athleten über längere Zeit mehr Flüssigkeit, als der Körper ausscheiden kann , kann der Natriumgehalt im Blut stark absinken. Mediziner sprechen von einer belastungsassoziierten Hyponatriämie.
Dadurch kann Wasser in die Körperzellen einströmen; im schlimmsten Fall auch in Gehirnzellen (Hirnödem). Erste Symptome können Kopfschmerzen, Übelkeit, ungewöhnliche Müdigkeit und Verwirrtheit sein.
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