Gulbenkian-Museum: Eine grüne Kunstoase mitten in Lissabon
Das üppige Grün wuchert ins Museum. Der Wind spielt hinter den hohen Fenstern mit Blättern und Sonnenstrahlen. Sie lassen drinnen die Blumen auf den Teppichen leuchten. Das Gulbenkian-Museum hat die Natur in seine Säle geholt. 18 Hektar groß ist der Park mit einem kleinen See. Er ist Teil eines versteckten Gesamtkunstwerks.
Den Eingang zwischen Hecken und begrünten Mauern muss man erst finden. Dahinter beginnt das Reich von Calouste Sarkis Gulbenkian. „Mister Five Percent“ wurde der Ölmagnat genannt. Als er 1955 starb, galt er als der reichste Mann der Welt. Kaum jemand kannte den Multimilliardär, der eine der größten privaten Kunstsammlungen seiner Zeit hinterließ. Am westlichsten Rand Europas hat die Gulbenkian-Stiftung seinen Nachlass in eine nachhaltige Kulturoase verwandelt – aus dem Ölgeschäft, dem sie und ihr Stifter ihren Reichtum verdanken, hat sie sich zurückgezogen.
Mit der Metro liegt der grüne Museums-Campus nur gut zehn Minuten von der hoffnungslos überlaufenen Altstadt Lissabons entfernt. Er ist einer der letzten Rückzugsräume für die Einheimischen, die sich ihre eigene Hauptstadt oft nicht mehr leisten können. Vor dem Gulbenkian-Museum lesen, spielen und plaudern die Nachbarn auf dem Rasen. Studenten, Mütter mit ihren kleinen Kindern machen neben Managern unter dem dichten Blätterdach Pause. Nur die dröhnenden Flugzeuge im Anflug auf den nahen Stadtflughafen stören die Idylle.
Eineinhalb Jahre war das Gulbenkian-Museum geschlossen. So lange dauerte es, um es wieder in das Jahr 1969 zurückkehren zu lassen, als es eröffnet wurde. Auf den Dächern brachten Arbeiter Solarpaneele an, die Säle befreiten sie von den Modernisierungen der vergangenen Jahrzehnte. Wie Archäologen brachten die Architekten seine Essenz wieder ans Tageslicht.
„Der Plan war nicht, das Museum zu erweitern oder radikal neu zu erfinden, sondern es zu den Prinzipien des ursprünglichen Projekts zurückzuführen.“ So beschreibt die portugiesische Architektin Teresa Nunes da Ponte, wie sie gemeinsam mit dem französischen Museumsspezialisten Frédéric Ladonne wieder entdeckt hat.
Sie entfernten Vorhänge und Blenden und ließen so viel natürliches Licht, wie es nur geht, durch die mit Filterfolien aufgerüsteten bodentiefen Fenster. Draußen pflanzten Gärtner Bäume, die gezielt Schatten spenden und zugleich mit den Kunstwerken korrespondieren: Im nächsten Frühjahr sollen vor einem Fenster die Blumen wachsen, die den persischen Teppich hinter der Scheibe verzieren.
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