Toter Bodden-Wal - „Er muss unter enormen Schmerzen gelitten haben“
Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) – Sein Tod war langsam und qualvoll: Der Mitte August tot im Greifswalder Bodden gefundene Buckelwal starb nach Einschätzung des Deutschen Meeresmuseums höchstwahrscheinlich an einer bakteriellen Infektion. Bei der Sektion des rund 4 Jahre alten, 10 Meter langen und 7 Tonnen schweren Männchens fanden Wissenschaftler vier große Abszesse.
Mehrere der bis zu 1,10 Meter langen und 42 Zentimeter breiten Eiterbeulen saßen an der Wirbelsäule. Die Entzündung griff auch die Wirbel an, machte sie teilweise porös. „Um welche Bakterien es sich konkret handelte und ob sich der Verdacht einer Sepsis bestätigt, werden die bakteriologischen und virologischen Untersuchungen im Labor zeigen“, sagte Meeresmuseum-Direktor Prof. Dr. Burkard Baschek.
„Der Wal muss unter enormen Schmerzen, insbesondere in Bewegung, gelitten haben“, erklärte Wissenschaftlerin Lisa Klemens. Die Infektion hatte den Körper bereits so stark geschwächt, dass auch großflächige Hautveränderungen auftraten. Vom Kopf bis zur Finne fehlten teilweise ganze Bereiche der Oberhaut.
Die Hautschäden entstanden laut Forschern vermutlich, weil das Immunsystem geschwächt war. Merkmale der Haut weisen darauf hin, dass es sich um den Wal Hartwin handelt. Er wurde Ende Juni erstmals an den Küsten der Ostsee gesichtet.
Der Kadaver war am 13. August im Greifswalder Bodden ( Mecklenburg-Vorpommern ) entdeckt und anschließend nach Stralsund gebracht worden. Dort untersuchte ein 13-köpfiges Team den Wal aus der Ostsee .
Hinweise auf einen Zusammenstoß mit einem Schiff oder Probleme mit Fischernetzen fanden die Experten bei der Untersuchung nicht. Der Wal hatte kaum Parasiten, war aber unterernährt: Magen und Dünndarm leer, die Fettschicht mit rund 6 Zentimetern statt bis zu 30 Zentimetern nur noch dünn. Vergrößerte Lymphknoten im Darm deuten zusätzlich auf eine schwere Erkrankung hin.
Das Skelett wird nach der Sektion von Fleischresten befreit, eingefroren und später entfettet und präpariert. Ausgestellt werden soll es nicht. Baschek gegenüber dem Sender News5: „Es kommt in die wissenschaftliche Sammlung.“ Dort soll es Forschern künftig als Vergleichsmaterial dienen, etwa bei der Untersuchung von Schädelmaßen und Knochenstrukturen. Ein Verkauf ist bei der streng geschützten Art ausgeschlossen.
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