So viele Jobs gehen verloren - Motoren-Riese macht deutsches Werk dicht
Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) – Die Krise in der Autoindustrie fordert das nächste Opfer: Die Deutschland-Tochter des japanischen Motoren-Riesen Nidec will ihre Produktion in Bietigheim-Bissingen einstellen. Damit steht der traditionsreiche Standort vor dem Aus.
Der heutige Betrieb geht auf eine bereits 1923 gegründete Werkzeugfabrik zurück. Seit 1942 wird an dem Standort in Baden-Württemberg produziert. Das Werk gehört zur Nidec Motors & Actuators (Germany) GmbH, einer Tochter des japanischen Konzerns mit weltweit rund 104.000 Mitarbeitern.
Die Pläne sorgen bei der Belegschaft für große Verunsicherung. Seit Monaten hätten Beschäftigte und Betriebsrat Antworten zur Zukunft des Werks verlangt. Christian Friedrich (53), Geschäftsführer der IG-Metall-Geschäftsstelle Ludwigsburg/Waiblingen, bestätigt gegenüber BILD: „Die Produktion soll laut Unternehmen im Geschäftsjahr 2027 stillgelegt werden.“
Nidec ist ein großer Autozulieferer. Die Bauteile aus Bietigheim stecken u. a. in elektrischen Antrieben für die Auto-Hersteller . 116 Arbeitsplätze in der Fertigung würden mit der Schließung wegfallen. Die Verwaltung vor Ort mit rund 84 Mitarbeitern soll nach Stuttgart verlagert werden.
Björn Berger (49), Betriebsratsvorsitzender, sagt zu BILD: „Das ist alles noch ganz neu. Wir prüfen die Geschäftszahlen und starten dann in die Verhandlungen.“ Doch Berger schlägt Alarm: „Der ganze Standort steht auf dem Spiel.“
Schon im September 2025 wurde der Bereich Forschung und Entwicklung geschlossen. Rund 90 Jobs wurden gestrichen. Für zusätzlichen Unmut sorgt, dass Büroflächen für den Vertrieb im Raum Stuttgart angemietet worden sein sollen. Viele Beschäftigte fragen sich deshalb, ob die Entscheidung über die Zukunft des Standorts längst gefallen ist.
Nach Informationen des Betriebsrats soll ab 2027 ein bedeutender Kundenauftrag wegfallen. Warum deshalb gleich die ganze Produktion schließen muss, habe das Unternehmen bisher nicht nachvollziehbar erklärt. Die Gewerkschaft IG Metall fordert deshalb klare Antworten – zu den wirtschaftlichen Gründen, möglichen Verlagerungen und zur Zukunft der Beschäftigten. Die Geschäftsführung von Nidec hat bislang auf eine Anfrage von BILD nicht reagiert.
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