Die Inquisition (1/2): Zwischen Denunziation und Scheiterhaufen
Im Jahr 1231 rief Papst Gregor IX. ein Überwachungssystem ins Leben, das unter braven Gläubigen Angst und Schrecken verbreitete.
Inquisitoren ("Fragensteller") sollten herausfinden, wer von der wahren Lehre abwich, notfalls mit Folter.
Eine ARTE-Doku wirft ein Licht auf jenes düstere Kapitel Als Beginn der Inquisition werden mehrere historische Daten angesehen.
Der zweiteilige ARTE-Film (ARTE F, 2026) "Die Inquisition" legt sich auf den päpstlichen Erlass von 1231 fest, der Bischöfen oder Ordensleuten erlaubte, scheinbar Abtrünnige zu überwachen und zu bestrafen.
Die sogenannten Inquisitoren, zunächst gegen abtrünnige Laienbewegungen eingesetzt, die von der kirchlichen Lehre abwichen, bekamen immer mehr Macht, teils erzwangen sie Geständnisse unter dem Gebrauch der Folter.
Zu Zeiten der Inquisition war dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet – ein Phänomen, das später vor allem in der Nazizeit und im Stalinismus Nachahmung fand.
Die schrecklichen Ausformungen der Inquisition sind vielfältig, der ARTE-Film versucht den historischen Daten und regionalen Unterschieden mit ganz eigenen Mitteln beizukommen.
So darf die Moderation durch den 65-jährigen Schauspieler Denis Lavant als nicht leicht zugänglich empfunden werden, "spielt" er doch als später Ankläger den Inquisitor mit grimmer Miene immer gleich mit.
Andererseits sind moderne Einschübe, wie Schwarzweiß-Filme über Schauprozesse im Stalinismus oder anderer Horrorszenen dem historischen Verständnis nur wenig förderlich – abenso wie gut gemeinte Sequenzen in Monty-Python-Manier oder das sprechende Ei Humpty Dumpty aus "Alice in Wonderland".
Auf ein hier erwartbares reenactment durch Schauspieler, das sonst geradezu inflationär eingesetzt wird, wird verzichtet, stattdessen werden bewegliche Holzfigürchen als Abbilder der Menschenverachtung gezeigt.
Zum Graffito im Verließ von Palermo, das bekundet: "Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren", will das nicht so recht passen.
Das Ende der Folter So oder so ist der Film des erfahrenen französischen Dokumentaristen Stan Neumann ein bildungsgesättigtes Traktat über alles, was die kirchliche Inquisition betrifft, von ihrem Beginn an bis zu ihrem vermeintlichen Ende im 19.
Jahrhundert.
Francisco de Goyas "Inquisitionstribunal" von 1812 wirkt da auf heutige Zuschauer trotz des Abbilds des Schreckens wie eine Erlösung.
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