Folgen des Iran-Kriegs: Trump hat Amerikas Macht verspielt
Kommentar Folgen des Iran-Kriegs Trump hat Amerikas Macht verspielt Stand: 28.08.2026 • 08:49 Uhr
Die USA haben sich im Krieg mit Iran selbst geschwächt. Trump ignorierte Warnungen und Expertise. Die Folgen reichen weit über den Persischen Golf hinaus - und treffen auch Europa.
Bereits als die ersten Raketen flogen, war klar: Diesen Krieg werden die USA verlieren. Im Pentagon nahm seit Jahrzehnten jedes Planspiel für den Persischen Golf einen identischen Verlauf. Fühlen sich die Fanatiker in Teheran existenziell bedroht, machen sie die Straße von Hormus dicht und greifen die Nachbarstaaten an. Alle wussten das. Nur Präsident Donald Trump nicht.
Trump weiß nichts, aber alles besser. Er verachtet Fachleute und ihre Expertise. Und er regiert mit Menschen, die auf eine fast schon groteske Weise für ihre Aufgaben ungeeignet und unfähig sind.
Der Verteidigungsminister zum Beispiel: Nichts an diesem Feldzug hatte Pete Hegseth gut geplant, noch nicht mal den Nachschub für die Marinesoldaten. Als die Iraner die US-Stützpunkte am Persischen Golf angriffen, rissen die Lieferketten.
Jetzt schicken Eltern aus der fernen Heimat ihren Kindern Lebensmittelpakete auf Kriegsschiffe. Und die Zustände auf dem Flugzeugträger "Abraham Lincoln" waren so schlecht, dass ein Soldat in seiner Verzweiflung über Bord sprang, um sich das Leben zu nehmen. Wie schlimm. Und wie peinlich für den Präsidenten.
Trump wünscht sich, er könnte das Rad zurückdrehen: "Ach, möge doch die Straße von Hormus wieder frei und das Benzin zu Hause wieder billig sein!" Doch die Zahnpasta ist aus der Tube. Bis auf Weiteres hat jetzt der Iran am Golf das Sagen.
Schießen lassen will Trump nicht mehr. Ginge auch gar nicht, weil den USA die Flugabwehrraketen ausgehen. Deshalb versucht er es nun mit extra harten Sanktionen. Gab es schon, hat aber nicht funktioniert. Zumal die Chinesen, auf die es dabei ankäme, nicht mitmachen. Und die Bereitschaft der iranischen Führung, ihrem Volk wirtschaftlichen Schmerz zuzufügen, ist unendlich.
Die Supermacht USA hat sich mit einer zweitklassigen Regionalgröße angelegt - und ist dabei unterlegen. Das hat geostrategische Folgen, die wir längst noch nicht alle begreifen. Am Persischen Golf sind die Amerikaner jetzt auf dem Rückzug, das Pentagon überlegt ernsthaft, die zerstörten Stützpunkte in der Region nicht wieder aufzubauen.
Die arabischen Ölmonarchien sehen sich nach anderen Partnern und Beschützern um - gewiss hat man in Peking ein Ohr. Taiwan mit seiner Freiheit und Demokratie ist jetzt in größerer Gefahr denn je. In der Ukraine ist der Mangel an "Patriot"-Flugabwehrsystemen ernster als zuvor. Und für die Westeuropäer ist das Risiko eines russischen Angriffs ein reales geworden.
All das hätte Trump zumindest erahnen können. In der Sackgasse, in die er aus freien Stücken lief, steckt er jetzt fest.
Dieses Thema im Programm: NDR Info | Nachrichten | 28.08.2026 | 07:22 Uhr
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