Sturzflut in Nepal und Tibet: Mehr als 1.300 Menschen nach Sturzflut vermisst
Nach den verheerenden Überschwemmungen in der Grenzregion zwischen Nepal und Tibet ist die Zahl der Toten auf mindestens 162 gestiegen. Das schrieb die nepalesische Polizei auf X. Der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV gab die Zahl der Vermissten mit 558 an, davon seien 260 ausländische Staatsangehörige. 41 Verletzte wurden demnach in Krankenhäusern behandelt.
Das Gebiet ist eine beliebte Wanderregion. Nepals Tourismusbehörde hatte am Mittwoch noch von 403 vermissten Touristen gesprochen, darunter 142 Inder sowie Menschen aus den USA, Malaysia, Großbritannien, Australien, den Niederlanden, Portugal, Südkorea, Südafrika, Italien und auch nepalesische Reisende. Australiens Premierminister Anthony Albanese bezeichnete die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung am Donnerstag als »schwierig«. Ähnliches war zuvor auch aus dem deutschen Außenministerium zu hören.
Durch die Sturzflut wurden im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet laut Behördenangaben ganze Dörfer weggespült sowie Straßen und Brücken beschädigt. Mehrere Fernstraßen waren blockiert, zudem wurden Wasserkraft- und Solaranlagen beschädigt. Hubschrauber und Rettungstrupps der nepalesischen Armee wurden in die Katastrophenregion entsandt. Auch China schickte Rettungskräfte zum von der Flut überspülten Grenzübergang Gyirong. Große Schlammmassen erschweren den Zugang in das Gebiet.
Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ist die Sturzflut von einem Gletscherabbruch ausgelöst worden. Die USGS, die zunächst ein Erdbeben als Ursache für das Unglück vermutet hatte, erklärte am Donnerstag, die gemessene seismische Aktivität sei auf die abgehende Eis- und Gerölllawine zurückzuführen gewesen.
Die USGS hatte am Mittwochmorgen zunächst ein Erdbeben der Stärke 4,4 nahe der Grenze zwischen Nepal und China gemeldet. Am Donnerstag teilte sie dann mit, in der Grenzregion habe sich am Mittwoch um 8.37 Uhr Ortszeit »ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 ereignet«. Weitere Analysen hätten ergeben, dass es dabei nicht um ein Erdbeben gehandelt habe, sondern um einen Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Gerölllawine und »katastrophalen Folgen«.
Auch das Internationale Zentrum für integrierte Bergentwicklung (Icimod) in Kathmandu geht davon aus, dass eine Lawine aus Eis und Geröll von einem Gletscher die Sturzflut auslöste. Die Lawine habe erst den Fluss Lhende blockiert und dann die gigantische Flutwelle freigesetzt, sagte der Icimod-Experte Saswata Sanyal.
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