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Berüchtigter Ex-Hooligan spricht über Pokal-Randale - „Die wollen, dass es knallt“

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Berüchtigter Ex-Hooligan spricht über Pokal-Randale - „Die wollen, dass es knallt“

Pyrotechnik, versuchte Platzstürme und Polizeipferde auf dem Rasen: Das DFB-Pokal-Duell zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1 n. V.) wurde von heftigen Ausschreitungen überschattet. Einer, der die Mechanismen hinter solchen Eskalationen aus eigener Erfahrung kennt, ist Bernd Leis, der in der Szene vor allem unter seinem Spitznamen „Stahlin“ bekannt ist.

Der frühere FCK-Hooligan gehörte einst zu den gefürchtetsten Köpfen der deutschen Hooligan-Szene und war selbst an schweren Auseinandersetzungen beteiligt. Heute blickt er anders auf diese Zeit. Im exklusiven Interview mit SPORT BILD (am Mittwoch im Handel) spricht der 63-Jährige über die Eskalation von Mannheim , den Reiz der Gewalt, die Unterschiede zwischen Ultras und Hooligans – und erklärt, an welchem Punkt das Derby aus seiner Sicht kippte.

SPORT BILD: Herr Leis, wenn Sie die Bilder aus Mannheim sehen: Was geht Ihnen als Erstes durch den Kopf?

Bernd Leis: Dass wir über Fußball reden sollten und nicht über solche Bilder. Ich habe früher selbst genug Scheiße gemacht und werde mich deshalb nicht hinstellen und den Moralapostel spielen. Aber vielleicht kann ich gerade deshalb sagen: Wenn eine Situation so weit eskaliert, hat das mit Unterstützung der eigenen Mannschaft nichts mehr zu tun. Da geht es irgendwann nur noch um sich selbst.

Natürlich. Diese Dynamik kenne ich. Die Stimmung wird immer aggressiver, einer macht etwas, der Nächste zieht nach, und plötzlich wollen alle zeigen, dass sie keinen Schritt zurückgehen. Wenn du mittendrin bist, denkst du nicht so wie jemand, der zu Hause vor dem Fernseher sitzt. Genau das ist das Gefährliche daran.

Können Sie erklären, was in einer Gruppe passiert, bevor eine Situation derart eskaliert? Gibt es diesen einen Moment, an dem aus Provokation und Aggression plötzlich eine Dynamik entsteht, die keiner mehr kontrolliert?

Den gibt es. Es reichen manchmal ein paar Leute. Einer rennt los, andere sehen das und gehen mit. Dazu kommen Adrenalin, die Rivalität und dieses Gefühl, vor den eigenen Leuten nicht zurückweichen zu dürfen. Dann entwickelt das Ganze eine eigene Dynamik. Und irgendwann weiß keiner mehr, warum das eigentlich angefangen hat.

Von außen fragt man sich: Warum riskiert jemand wegen eines Fußballspiels Verletzungen, Festnahmen, Stadionverbote oder sogar seine berufliche Existenz? Was ist der Reiz daran?

Adrenalin, Anerkennung, die Gruppe. Dieses Gefühl, gemeinsam gegen die anderen zu stehen. Für manche wird das irgendwann wie eine Sucht. Du willst diesen Kick wieder haben. In dem Moment denkst du nicht daran, was am nächsten Morgen passiert. Das kommt erst später. Und irgendwann merkst du vielleicht, welchen Preis du dafür bezahlt hast.

Hätten Sie früher in einer Situation wie in Mannheim versucht, die Leute zurückzuhalten – oder wären Sie einer von denen gewesen, die vorneweg gegangen wären?

Wenn ich ehrlich bin: Der Stahlin von damals hätte wahrscheinlich nicht versucht, irgendjemanden zu beruhigen. Dafür war ich viel zu tief in dieser Welt drin. Ich kann heute schlecht behaupten, dass ich damals vernünftiger gewesen wäre.

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