Karin Prien im Interview: „Ich wünsche ich mir mehr Mut der Kabinettskollegen“
Wir haben intensiv über berufliche Bildung und Forschung gesprochen. Ich muss aber deutlich sagen, dass die Priorisierung in Sachen Bildung bisher nicht ausreicht. Zwar scheinen sich alle darüber im Klaren zu sein, dass es letztlich Bildung ist, die zur Lösung der Fachkräftefrage führen könnte, die immer dramatischer wird. Bildung ist entscheidend für die Integration, für Aufstiegschancen und demokratische Legitimation. Trotz des verfassungsrechtlichen Kompetenzgefüges und der knappen Haushaltslage wünsche ich mir mehr Mut und auch mehr Bewusstsein der Kabinettskollegen im Bund und in den Ländern. Offenbar ist noch nicht bei allen angekommen, dass die frühe Bildung als Fundament über die Gewinnung von Fachkräften, die Hightech-Agenda und andere innovative Bereiche entscheidet.
Konsequent wäre es, wenn wir jetzt gemeinsam mit den Ländern einige Milliarden in die frühe Bildung investieren. Wir wissen, dass wir über die Förderung von Sprache und Entwicklung die größte Rendite erzielen könnten. Das haben gerade wieder die Wirtschaftsweise Monika Grimm und auch der Bildungsökonom Ludger Wößmann bekräftigt. Das hieße aber auch, die Mittel umzuschichten – vom Tertiärbereich (höhere Bildung, Anm. d. Red.) in den Primarbereich (Grundschulen und Kitas). Jeder hier investierte Euro zahlt sich doppelt und dreifach aus. Die Länder wiederum müssen dafür Sorge tragen, dass die Grundschule die basalen Kompetenzen zuverlässig vermittelt: Lesen, Schreiben, Rechnen, und zwar mit Methoden, die wirksam und anerkannt sind.
Die Bildungstrends der vergangenen Jahre haben uns besorgniserregende Ergebnisse beschert – deshalb müssen Bund und Länder mit dem Ziel für eine bessere Bildung eng zusammenarbeiten. Der Arbeitsprozess dazu läuft derzeit fernab öffentlicher Debatten. Seit März arbeiten die Arbeitsgruppen unter Hochdruck an den Details einer gemeinsamen Agenda, sowohl zu Bildungszielen als auch zu den Arbeitsbereichen wie datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung oder auch Lernvoraussetzungen, die wir verabredet haben. Ich würde die Arbeit als extrem konstruktiven Prozess beschreiben, der natürlich immer wieder von Kompetenzfragen begleitet wird, die aber nicht vorherrschend sind. Im Zentrum steht die Frage, wie wir möglichst viel an Ressourcen in den Topf geben können, um möglichst viel zu erreichen. Für Ende des Jahres erwarte ich konkrete Ergebnisse, die sich vor allem auf die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung und die Systementwicklung beziehen.
Es ist eine Revision des Bildungsmonitorings vorgesehen. Und es wird sogenannte Patenschaftsthemen geben, bei denen einzelne Länder sich gemeinsam mit dem Bund auf den Weg machen und eine Agenda entwickeln, bei der andere Länder mitmachen können. Leistung und Wohlbefinden sind ein Thema, weil wir zu viele Kinder und Jugendliche haben, die psychisch belastet sind und teilweise auch erkranken. Dafür brauchen wir gemeinsame Antworten.
Ich bin zufrieden mit den Verhandlungen mit den Ländern zum Thema frühe Bildung. In Zeiten knapper Kassen gibt es verständlicherweise eine Zurückhaltung der Länder, neue Verpflichtungen einzugehen.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.faz.net — der Inhalt gehört FAZ Politik.