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»The Social Reckoning«: Aaron Sorkin schreibt, bis die Nase bricht

Der Spiegel Kultur ·
»The Social Reckoning«: Aaron Sorkin schreibt, bis die Nase bricht

Drehbuchautoren bleiben meistens im Hintergrund. Sehr selten, dass man ihren Namen im selben Atemzug nennen kann wie den der Schauspieler oder des Regisseurs bei einem Film. Anders ist es bei Aaron Sorkin. In einem Interview mit der »New York Times« hat er nun erzählt, mit welchem Preis das Schreiben für ihn verbunden ist.

Einmal habe er sich sogar die Nase gebrochen. Er arbeitete gerade an der Serie »The Newsroom«, als ihm Nachts eine Idee kam. Er stand auf, schrieb die Szene nieder, in der die Hauptfigur, ein Nachrichtensprecher, auf einen Mitarbeiter losgeht. Sorkin war so im Rausch, dass er selbst durch das Badezimmer tigerte und die Szene vor dem Spiegel nachspielte. Er knallte mit dem Gesicht dagegen, Glas und Nase brachen.

Sorkin gilt als einer der besten Drehbuchschreiber in Hollywood. Berühmt ist er vorwiegend für seine langen, pathetischen Monologe (Jack Nicholson in »Eine Frage der Ehre«) und seine extrem schnellen Dialoge, die oft im Gehen stattfinden, die sogenannten »Walk and Talks«. Die gesamte Serie »The West Wing« basierte im Prinzip auf diesem Element. Sorkin schrieb auch das Drehbuch zu »The Social Network« über die Gründung von Facebook. Die Fortsetzung, »The Social Reckoning«, soll im Oktober in die Kinos kommen.

So leichtfertig und schnell die genialen Worte den Figuren von den Lippen gehen – so schwer tut sich Sorkin aber offenbar damit, sie aufzuschreiben. Hört man ihm in diesem Podcast zu, stellt man fest, dass Schreiben für ihn immer mit Schmerz verbunden war, auch wenn es keine blutige Nase gab: »Es gab eine Zeit, da fing ich erst an zu schreiben, wenn die Sonne untergegangen und mein Dealer angekommen war« Mit Kokain schrieb er die Nacht durch. Drogen bestimmten viele Jahre zu Beginn seiner Karriere. Mittlerweile ist er clean.

Die große Angst, dass er ohne Drogen nicht mehr schreiben könne, habe sich nicht bewahrheitet. Dabei hatte er auch Hilfe von einer berühmten Schauspielerin: Carrie Fisher habe ihn einmal angerufen und gesagt: »Ich weiß, dass du glaubst, du kannst nicht schreiben ohne Drogen. Aber ich sage dir: Du wirst besser schreiben als je zuvor.« Danach ging er in den Entzug.

Das Beschwerliche, das Aufreibende am Schreiben sei der Grund, warum er noch nie probiert hat, es mit KI zu tun. Würde er damit anfangen, sagt er, und feststellen, dass er an den Dialogen nur noch ein bisschen schrauben müsste – er würde nie wieder damit aufhören. Weil es zu leicht gehen würde.

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