Institut an der Nordsee soll schließen - Aus für die Timmy-Forscher?
Büsum (Schleswig-Holstein) – Sie sind die Wal-Experten des Nordens. Wenn in Nord- oder Ostsee ein Wal strandet, ist das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) gefragt. Doch nun droht dem Standort Büsum das Aus: Der Arbeitgeber, die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), hat den Mietvertrag gekündigt.
Spätestens seit der Strandung von Buckelwal Timmy sind die Experten des ITAW bundesweit bekannt. Sie untersuchten den Wal, begleiteten mehrere Rettungsversuche. Für Kritik sorgte die Entscheidung, Timmy sterben zu lassen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hob den Beschluss später auf und überließ die Rettung einer Initiative. Timmy starb später in der dänischen Ostsee.
Das ITAW in Büsum gilt als wichtige Schaltstelle im Norden. „Gerade zum Schutz und Monitoring von Meeressäugern in Nord- und Ostsee ist das Institut für Schleswig-Holstein ein entscheidender Player“, so eine Sprecherin des Umweltministeriums.
„Auch im Umgang mit Großwalen ist die Expertise des Instituts eine sichere Bank. Wir setzen uns dafür ein, Büsum als wissenschaftlichen Standort zu erhalten.“
Doch warum hat man sich gegen Büsum entschieden? Laut der TiHo waren Investitionen an die bisherige Leiterin, Prof. Dr. Ursula Siebert, geknüpft. Mit ihrem Wechsel zum 1. Juli an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wurde beschlossen, die Situation neu zu bewerten. Das Ergebnis: Zum 31. März 2027 ist Schluss.
Nach BILD-Informationen soll es zwischen TiHo-Präsident Prof. Dr. Klaus Osterrieder und Ursula Siebert hinter den Kulissen ordentlich gekracht haben. Nach ihrem Wechsel nach Berlin soll zudem ein Hausverbot gegen die Professorin verhängt worden sein.
Und was passiert mit den 40 Mitarbeitern? „Die Beschäftigten des ITAW haben Arbeitsverträge mit der TiHo. Natürlich laufen diese Verträge weiter“, so eine Sprecherin. Zudem betont sie, dass „umfassende Gespräche“ geführt werden. Heißt: Künftig wird in Hannover weiter geforscht.
Wie die TiHo trotz längerer Wege Qualität und schnelle Einsatzfähigkeit sichern will, bleibt unbeantwortet. Die nötige Infrastruktur mit Booten, Schiffen, Trailern und einem gewachsenen Netzwerk liegt direkt an der Küste und nicht in Hannover. Ein Mitarbeiter warnt: „Wir halten das für schwierig, da viele Arbeiten im Wasser stattfinden.“
Auch Bürgermeister Oliver Kumbartzky (FDP) sieht den Weggang mit Sorge: „Das ITAW ist einer der größten Arbeitgeber in Büsum. Viele Mitarbeiter haben hier ihren Lebensmittelpunkt, ihre Kinder gehen in unsere Kitas und Schulen. Ein Abzug würde nicht nur wertvolles Know-how kosten, sondern auch Familien aus unserer Gemeinschaft reißen.“
Ein bisschen Hoffnung bleibt: Umweltminister Tobias Goldschmidt hat sich bereits an die zuständigen Institutionen in Niedersachsen und Berlin gewandt, heißt es aus dem Ministerium.
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