Tagesgeld-Hopping - Bank wechseln für mehr Geld! Lohnt sich dieser Zins-Zirkus?
Wenn es ums Einkaufen geht, werden wir zu echten Sparfüchsen: Beim Waschmittel vergleichen wir Preise, für den günstigsten Flug durchforsten wir wochenlang die Reiseportale und beim Handytarif achten wir auf jeden Euro. Aber wenn es um 10.000 oder 20.000 Euro Erspartes geht? Dann bleiben erstaunlich viele Deutsche ihrer Bank treu und kassieren dafür Zinsen, die diesen Namen kaum verdienen.
Eine Auswertung des Finanzportals Biallo zeigte kürzlich: Sparkassen und Volksbanken zahlen auf Tagesgeld im Schnitt gerade einmal 0,4 Prozent. Bei manchen Instituten sind es sogar nur 0,001 Prozent. Wer dort 10.000 Euro parkt, bekommt im Jahr sagenhafte zehn Cent Zinsen. Kurzum: Treue wird beim Sparen oft nicht belohnt.
Andere Banken rollen Sparern dagegen den roten Teppich aus und locken mit Zinsen von teilweise vier Prozent. Würde dieser Zinssatz ein ganzes Jahr gelten, gäbe es auf 10.000 Euro rund 400 Euro Zinsen. Bei 0,4 Prozent sind es nur 40 Euro. Gleiche 10.000 Euro, satte 360 Euro Unterschied – allein durch die Wahl der Bank!
Der Haken: Die schönsten Zinsen gibt’s meistens nur für Neukunden und nur für einige Monate. Genau deshalb betreiben manche Sparer inzwischen regelrechtes Tagesgeld-Hopping: Läuft der Aktionszins aus, wird gewechselt.
Dass Sparer wegen der Zinsen tatsächlich wandern, ist längst kein Randphänomen: Einer YouGov-Umfrage für die Postbank zufolge schiebt gut jeder dritte Sparer (34,1 Prozent) sein Geld zu einer anderen Bank, wenn diese deutlich höhere Zinsen bietet. 6,9 Prozent wechseln sogar schon für einen kleinen Zinsvorteil. Gut jeder Vierte dagegen findet den Wechsel schlicht „zu lästig“. Dabei hält sich der Aufwand beim Tagesgeld in Grenzen: neues Konto online eröffnen, Geld rüberschieben, fertig. Daueraufträge, Lastschriften oder den Arbeitgeber müssen Sie dafür nicht umstellen. Das Tagesgeldkonto ist schließlich kein Girokonto.
Ganz von allein hoppt die Kohle nicht. Sie müssen wissen, wann der Aktionszins endet, regelmäßig Angebote vergleichen und rechtzeitig wechseln. Auch das Kleingedruckte sollte gelesen werden! Bis zu welcher Summe gilt der Top-Zins? Welches Einlagensicherungssystem greift bei einer ausländischen Bank? Und wann gilt man überhaupt wieder als Neukunde? Manche Banken nehmen ehemalige Kunden erst nach Monaten oder sogar Jahren wieder in den erlesenen Kreis der Neuen auf.
Lohnt sich der Zins-Zirkus also? Für 500 Euro Erspartes sicher nicht. Da kostet die Jagd nach dem letzten Zehntelprozent mehr Nerven, als sie Geld bringt. Wer allerdings mit mickrigen 0,001 Prozent abgespeist wird, sollte seiner Bank auch bei kleineren Beträgen die Treue kündigen und nach einem besseren Angebot suchen. Bei höheren Rücklagen und deutlichen Zinsunterschieden kann Tagesgeld-Hopping dagegen ordentlich Geld bringen.
Wichtig: Aufs Tagesgeld gehört vor allem der Notgroschen oder Geld, das Sie in den nächsten Jahren brauchen. Alles, was langfristig für Sie arbeiten soll, ist in einer renditestärkeren Anlage besser aufgehoben, zum Beispiel in breit gestreuten ETFs. Und wenn Sie schon im Sparfuchs-Modus sind: Legen Sie auch das Geld an, das Sie beim Handytarif, beim Urlaub oder beim Waschmittel eingespart haben.
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