Hält Ihre Beziehung? - Mathematiker findet Formel für die Liebe
Kann man Liebe tatsächlich aus- und berechnen? Ein französischer Mathematik-Professor glaubt, eine Formel gefunden zu haben, die erklären kann, warum manche Beziehungen halten – und andere zerbrechen. Seine Idee klingt verrückt, hat aber einen einfachen Kern.
Auf den ersten Blick klingt das Ganze eher nach schnödem Mathe-Unterricht als nach romantischem Herzklopfen. In seinem Buch „Love! Valour! Equations! Mathematics of the Couple“ (dt.: „Liebe! Tapferkeit! Gleichungen! Die Mathematik des Paares“) beschreibt Pujo-Menjouet die Liebe als dynamisches System. Wer die Entwicklung von Gefühlen als Kurve ansieht, erkennt, wie Streit, Stress oder äußere Belastungen diese Kurve drücken oder heben. Berücksichtigt werden verschiedene Faktoren, die eine Beziehung stärken oder schwächen. Ein wichtiger Punkt ist die Gewöhnung: Was am Anfang aufregend und neu ist, kann mit der Zeit an Wirkung verlieren.
Dazu kommen die großen Ereignisse des Lebens: Ein gemeinsames Kind, eine Beförderung, Geldsorgen, Arbeitslosigkeit, ein schwerer Verlust oder ein Seitensprung können die Gefühle kräftig durcheinanderwirbeln. Entscheidend ist laut dem Modell außerdem, wie der Partner darauf reagiert. Eine Entschuldigung nach einem Streit oder eine liebevolle Geste kann die Beziehung wieder stabilisieren. Sinkt das Liebesgefühl allerdings unter eine bestimmte Grenze, droht laut Modell das Aus.
Laurent Pujo-Menjouet will mit seiner Formel Muster in Beziehungen sichtbar machen und womöglich sogar vorhersagen, ob eine Liebe Zukunft hat. Seine Begründung: Wenn Mathematik komplizierte Vorgänge in Physik, Chemie und Biologie erklären kann, sollte das vielleicht auch bei menschlichen Beziehungen möglich sein.
Doch Experten bremsen. Die Mathematik-Professorin Rebecca Tyson warnt, menschliches Verhalten sei zu komplex, um es mit einer Formel zu erfassen. Auch Psychologe Guy Bodenmann hält eine zuverlässige Vorhersage einzelner Beziehungsverläufe für unmöglich. Schließlich können sich sogar Paare trennen, die eigentlich zufrieden sind.
Der Psychotherapeut David Wilchfort glaubt ebenfalls nicht an eine berechenbare Liebeskurve. In seiner Praxis wechseln Gefühle oft innerhalb kürzester Zeit zwischen Nähe und Distanz. Für ihn ist vor allem die innere Haltung zum Partner entscheidend: Stabil bleibt eine Beziehung, solange beide wollen, dass es dem anderen gut geht.
Anders sieht es dagegen Psychotherapeut Wolfgang Krüger: Er erkennt berechenbare Muster. Sein ungewöhnlicher Test: Küssen ! Er fragt Paare, ob und wie sie sich noch küssen. Daraus könne man viel über ihre Nähe ablesen.
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